Die Folkeskole ist eine Form der Gesamtschule: Sie ist weitgehend
undifferenziert und versucht, den Unterricht in der heterogenen Klasse den
Bedürfnissen der einzelnen Schüler anzupassen. Ab Klasse 8 werden in
einzelnen Fächern Leistungskurse eingerichtet. Bei dieser
"Niveaudifferenzierung" entscheiden die Eltern nach Beratung mit
den Lehrern über die Kurszugehörigkeit ihrer Kinder.
Ganz knapp zusammengefasst (Meike Knaack, in: Bildungslandschaft
Europa, Bielefeld 1997) gilt für die Folkeskole folgende übergreifende
Zielsetzung:
-
Die Förderung des Erwerbs von Kenntnissen,
Ausdrucksweisen, Arbeitsmethoden, Fertigkeiten und Fähigkeiten
-
Erfahrungswelten in Wirtschaft und Umwelt schaffen;
Aufmerksamkeit, Interesse, Vorstellungskraft und den Drang zum Lernen
in den Schülern wecken; Vertrauen in eigene Kräfte, Entscheidungen
und Urteile stärken
-
Das Verständnis für die dänische und
fremdländische Kulturen sowie die Natur fördern; Schüler zu aktiver
Teilnahme und Verantwortungsübernahme innerhalb der Gesellschaft
führen.
Daher ergeht an jede Schule
die Forderung nach intellektueller Freiheit, Gleichheit und Demokratie.
Während der neunjährigen Schulzeit an der Folkeskole
sind folgende Fächer verpflichtend zu belegen: Dänisch, Religion,
Mathematik und Sport durchlaufen alle SchülerInnen in allen Jahrgängen,
Kunst, Musik, und Wissenschaften (Sachkunde) in den ersten Jahren,
Englisch ab Klasse 4, Geschichte, Geografie, Biologie, Physik, Chemie,
Französisch oder Deutsch ist ab Klasse 7 wählbar, Latein wird zur
Vorbereitung auf das Gymnasium in der 10. Klasse unterrichtet.
Weiterhin müssen innerhalb der neun Pflichtschuljahre
die folgenden Themen behandelt worden sein:
- Verkehrserziehung und Verkehrssicherheit
- Gesundheits- und Geschlechtserziehung (Familienkunde)
- Erzieherische, bildungstechnische, berufliche und den Arbeitsmarkt
betreffende Orientierung
Der Lehrplan der Folkeskole ist während der ersten
beiden Jahre für alle Schüler obligatorisch. Er umfasst die Fächer
Dänisch, Mathematik, Leibeserziehung und Sport, christliche Lehre,
kreative Künste, Musik und freie Klassendiskussion. Ab Klasse 3 kommen
Geographie und Biologie hinzu; Englisch ist Pflichtfach ab Klasse 5"
Physik und Chemie ab Klasse 7. Die Differenzierung ab Klasse 8 beschränkt
sich in der Regel auf die Fächer Mathematik, Englisch und Deutsch. Physik
und Chemie werden ab Klasse 9 differenziert unterrichtet.
Das Prüfungssystem spiegelt ebenfalls die liberale
Philosophie der "Folkeskole" wider. Von der 1. bis zur 7. Klasse
werden keine Noten gegeben. Die Schulen müssen jedoch die Schüler und
die Eltern mindestens zweimal jährlich über die Fortschritte des
Schülers unterrichten. Es gibt keine allgemeine Abschlussprüfung;
Prüfungen können in einzelnen Fächern abgelegt werden, und die Schüler
entscheiden selbst, ob sie sich einer Prüfung unterziehen wollen. Die
einfache Abschlussprüfung der "Folkeskole" kann in 11 Fächern
abgelegt werden, die Abschlussprüfung für Fortgeschrittene in 5
Fächern, und zwar erst nach Beendigung der 10. Klasse. Nur die Schüler,
die in der 10. Klasse an dem Fortgeschrittenen Lehrgang teilgenommen
haben, sind zu dieser Prüfung zugelassen.
Das Gymnasium
Nach Beendigung ihrer Bildungspflicht stehen den
Schülern die allgemeine Oberstufe der Sekundarstufe (Gymnasium) und die
verschiedenen Bildungsgänge des Berufsschulwesens offen.
Ziel des Gymnasiums ist die Vermittlung einer breiten
allgemeinen Bildung und die Schaffung der Voraussetzungen für ein
anschließendes Studium. Voraussetzung für die Aufnahme in ein Gymnasium
sind der erfolgreiche Abschluss der neunten Klasse der Folkeskole und je
nach gewünschtem Zweig eine bestandene Abschlussprüfung in bestimmten
Fächern. Das Gymnasium umfaßt drei Schuljahre und schließt mit einer
mündlichen und schriftlichen Abschlussprüfung ab.
Das Gymnasium ist aufgeteilt in einen sprachlichen und
einen mathematischen Zweig. Nach Abschluss der dritten Klasse des
Gymnasiums wird das Abitur in einer mündlichen und schriftlichen Prüfung
abgelegt, das - mit Einschränkungen - zum Hochschulstudium berechtigt.
HF-Kurse
Lediglich zum Verständnis der obigen Grafik seien die
dort gebrauchten Abkürzungen kurz erläutert:
HF-Kurse bereiten in einem zweijährigen Bildungsgang
auf eine Höhere Vorbereitungsprüfung (HF)
vor. Dem erfolgreichen Absolventen stehen danach drei
Universitäten, zwei Universitätszentren sowie andere staatlich
finanzierte Institutionen offen. Vergleichbar ist der Abschluss mit
unserer Fachhochschulreife.
HTX und HHX
Die HHX-Kurse mit dem Abschluss einer Prüfung zum
Betriebswirt und HTX-Kurse mit technischen Inhalten und einer entsprechend
ausgerichteten Prüfung berechtigen zum Eintritt in die Berufswelt und
qualifizieren gleichzeitig zum Übergang in entsprechende
Hochschulausbildungsgänge