11.
Dezember 2007
RBG gewinnt Deutschen Schulpreis
Die Robert-Bosch-Gesamtschule gewinnt den Deutschen Schulpreis 2007 und ist somit
als beste Schule Deutschlands gewählt worden. Der Preis wurde am 10. Dezember 2007
von Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan an 17 Vertreter der Schule übergeben.
Die Jury des Deutschen Schulpreises hat 10 Schulen nominiert, aus denen bei der
Preisverleihung am 10. Dezember 2007 die Preisträger des Deutschen Schulpreises
2007 gekürt werden. Die Robert-Bosch-Gesamtschule ist eine dieser 10 Schulen, die
im Dezember nach Berlin aufbrechen dürfen. Der Deutsche Schulpreis ist ein
Wettbewerb der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung in Kooperation mit
dem Stern und dem ZDF.
170 allgemeinbildende Schulen aus allen Bundesländern haben sich um den Deutschen
Schulpreis 2007 beworben. Nachdem 14 Schulen von Expertenteams besucht wurden, hat
die Jury für den Deutschen Schulpreis 2007 zehn Schulen ausgewählt und nominiert,
darunter neun in staatlicher und eine in privater Trägerschaft. Aus diesem Kreis
werden bei der Preisverleihung am 10. Dezember 2007 in Berlin die fünf Preisträger
gekürt.
4.
Dezember 2007
Gemeinschaftsschulen boomen im Norden
Die Kommunen in Schleswig-Holstein setzen - wie das Hamburger Abendblatt berichtet -
auf die Gemeinschaftsschule. Nach Angaben des Kieler Bildungsministeriums lägen 44
Anträge für neue Gemeinschaftsschulen vor, davon fast die Hälfte aus dem
Hamburger Umland. Dort gibt es bisher nur vier Anträge für Regionalschulen.
Die teils umfangreichen Anträge würden aber noch ausgewertet. Klar ist, dass die
Kommunen um Hamburg die Gemeinschaftsschule bevorzugen. Aus dem Kreis Segeberg
kommen sieben Anträge, aus Stormarn fünf, aus Pinneberg einer. Hinzu kommt das
Herzogtum Lauenburg mit sieben Anträgen, von denen der Kreistag diese Woche
wahrscheinlich vier befürworten wird: Lauenburg, Sandesneben, Büchen und
Berkenthin.
Bei Regionalschulen ist die Lage überschaubarer. Aus dem Hamburger Umland liegen
bisher Anträge der Städte Bargteheide, Bad Oldesloe und Pinneberg (zwei Schulen)
vor. Auf Grund der Anträge sehen SPD und GEW die Regionalschule auf der
Verliererstraße. "Die Gemeinschaftsschule ist auf einem Siegeszug und wird
sich auf Dauer durchsetzen", prophezeit GEW-Geschäftsführer Bernd Schauer.
Folge: Die Schullandschaft in Schleswig-Holstein würde sich parallel zu der in
Hamburg entwickeln, das auf Stadtteilschulen setzt. Zweite Säule in beiden Ländern
wären die Gymnasien, die bisher hier wie dort zum Leidwesen vieler SPDler keine
Einheitsschulen werden wollen. In Schleswig-Holstein jedenfalls ist ein Ende des
Gemeinschaftsschul-Booms nicht in Sicht. Mit den sieben Schulen, die im Sommer
starteten, den beantragten und den darüber hinaus geplanten Projekten dürfte es in
Schleswig-Holstein schon bald mehr Gemeinschaftsschulen als Gymnasien (99) geben. Ob
der Trend anhält oder sich sogar beschleunigt, hängt auch von der Kommunalwahl im
Mai 2008 ab. Grund: Einige CDU-regierte Kommunen, an der Spitze Lübeck und Kiel
(schwarz-grün), weigern sich bisher, Gemeinschaftsschulen einzurichten - auch gegen
den Elternwillen.
6. November 2007
CDU startet Kampagne für Gymnasien
Wie das Hamburger
Abendblatt berichtet, hat die Hamburger CDU mit einer Schwerpunktkampagne gegen die
Abschaffung der Gymnasien die heiße Phase des Bürgerschaftswahlkampfs eröffnet.
Auf großflächigen Plakaten, die die CDU insbesondere vor Schulen aufstellen will,
wird ab 23. November der Slogan prangen: "Ich kämpfe für meine Schule".
Außerdem lädt die CDU am 11. Dezember zu einem Aktionstag zur Rettung der
Gymnasien in das Cinemaxx-Kino. Landesvorsitzender Freytag sprach von einer Reaktion
auf Bestrebungen maßgeblicher Sozialdemokraten. Die SPD wies die Kritik zurück.
mehr
30.
Oktober 2007
Volksinitiative stellt Gesetzentwurf zur Gemeinschaftsschule vor
Heute
morgen um 10.30 Uhr übergaben Vertreter der Volksinitiative "Eine Schule für
alle" im Rathaus den von ihr erarbeiteten Gesetzentwurf zur Einführung der
Gemeinschaftsschule in Hamburg. Er sieht die schrittweise Überwindung des
gegliederten Schulwesens vor. Nach einer vierjährigen Planungsphase soll das
Hamburger Schulwesen bis 2019 schrittweise in eine horizontale Struktur
überführt werden. Der Gesetzentwurf
im Wortlaut. Am Abend konstituierte sich dann die Initiative in einer
öffentlichen Veranstaltung mit zwei prominenten Gastrednern: Senatorin a.D.
Rosemarie Raab und Prof. v. Saldern. Die Rede von Frau Raab kann hier heruntergeladen werden.
Hamburger
Abendblatt
14. September 2007
Elternkammer will "Eine Schule für alle"
Umfrage: 78 Prozent stimmten für
das Modell, das Gymnasien abschaffen will
Wie das
HAB berichtet, hat sich die Elternkammer nach einer Erhebung in den Grundschulen
für das Konzept "einer Schule für alle" ausgesprochen. Die Umfrage hat
einmal mehr belegt, dass die Anmeldequote an Gymnasien nicht gleichzusetzen
ist mit der Präferenz der für eine bestimmte Schulstruktur. mehr
29.
Juni 2007
Volksinitiative für
Eine Schule für alle
Wie das
Hamburger Abendblatt berichtet, kommt auf Hamburg eine neue Volksinitiative zu.
Ziel: Eine Schule für alle! Gestern, am 28. Juni, trafen sich in der Patriotischen
Gesellschaft rund 120 an Bildungspolitik interessierte BürgerInnen. Darunter auch
viele Prominente: Christa Goetsch, Mathias Petersen, Erhard Pumm, Wolfgang Rose und
etliche Bürgerschaftsabgeordnete von GAL und SPD. Die Initialzündung gaben die
Unterzeichner einer "Hamburger Erklärung". mehr
Hamburger Abendblatt
22. März 2007
UNO verurteilt deutsches Schulsystem
Schwere
Vorwürfe hat der Uno-Menschenrechtsinspektor Vernor Munoz als Fazit seiner
Deutschland-Besuches erhoben. Die frühe Selektierung durch das dreigliedrige
Schulsystem diskriminiert arme, ausländische und behinderte Kinder. Vormittags
debattierte die Vollversammlung des Uno-Menschenrechtsrates in Genf noch über die
schwierige Lage im Sudan. Wenig später stand dann die deutsche Schule am Pranger:
Fehlende Chancengleichheit und eine "De facto"-Diskriminierung von armen,
ausländischen und behinderten Kindern, völlig unterschiedliche Schulsysteme in 16
Bundesländern, die Familien den Wohnortwechsel erschweren, unzureichende
Schulautonomie und Versäumnisse bei der Lehrerausbildung - all das listete der
Uno-Menschenrechtsinspektor Vernor Munoz als Fazit seines Deutschland-Besuches vom
vergangenem Jahr auf. mehr
6. Dezember 2006
SPD-Hamburg
beschließt:
Ziel eine Schule für alle!
Auf dem
Landesparteitag der SPD-Hamburg am 2. Dezember legten sich die Delegierten auf einen
Kurs hin zu einer Schule für alle fest. Der Beschluss wurde bei wenigen
Gegenstimmen gefasst. Allerdings sorgten Presseberichte an den folgenden Tagen für
Verwirrung. Es wurde behauptet, die SPD habe sich auf ein Zwei-Säulen-Modell - wie
die CDU - festgelegt. Das Gegenteil ist der Fall. mehr
12. Juni
2006
Gemeinsame
Schule“ (Sekundarstufe I)
Wie das Hamburger
Abendblatt berichtet, hat sich die Niedersächsische SPD in der Bildungspolitik auf
eine gemeinsame Schule für alle Schülerinnen und Schüler bis zur Klassenstufe 10
als Zielsetzung festgelegt. In der „Gemeinsamen Schule“ wird das Prinzip des
individuellen Förderns und Forderns weitergeführt, um so die Bildungschancen aller
Schülerinnen und Schüler weiter zu erhöhen. Der Blick nach Skandinavien belege
die Vorteile einer solchen Schule. mehr
22. Mai
2006
Früher beginnen, später trennen
Bildungsforscher plädiert für Bildungsreform
Jürgen
Oelkers, Bildungsforscher an der Universität Zürich, fordert in seiner jüngsten
Veröffentlichung "Gesamtschulen in Deutschland" einen früheren
Schulbeginn und eine spätere Trennung der Schüler nach der Grundschule. Die
Grundschule sollte mit einer Grundstufe für vierjährige Kinder beginnen und bis
zur sechsten Klasse dauern, das heißt, "die deutschen Kinder würden acht
Jahre lang gemeinsam unterrichtet. mehr
8. Februar 2006
Hamburger Abendblatt
SPD-Niedersachsen: Gemeinsame Schule für die Klassen fünf bis zehn
Mit
einer schulpolitischen "Radikalreform", wie das Abendblatt schreibt,
wollen die Sozialdemokraten 2008 wieder an die Macht. Bis zum Ende der Sekundarstufe
I soll es kein Sitzenbleiben mehr geben. Das Kernstück der Reform ist die
"Gemeinsame Schule" für die Klassen fünf bis zehn, wo immer sich
genügend Eltern für dieses Modell entscheiden. mehr
20. Januar 2006
Managerkreis fordert eine Schule bis zur Klasse 10
Die Antwort auf
unterschiedliche Bildungsfähigkeiten sollte nicht die Separierung
von Schülern in getrennten Schulen sein, sondern die Förderung der
individuellen Begabung in kleinen Gruppen. Wir halten eine Schulpflicht für zehn Schuljahre (so z. B. in Spanien) in gemeinsamen
Schulen für sinnvoll. Danach könnten Zusatzausbildungen
in speziellen beruflich orientierten Schulen oder speziellen wissenschaftlich
orientierten Schulen folgen. mehr
21. August 2006
Nach der
Klassengrößen-Lüge jetzt die Schwimm-Lüge
Nachdem die Schulbehörde den
Schwimmunterricht drastisch gekürzt, die Schwimmlehrer ihrer Arbeit entbunden und
den Unterricht in die Hände der Bäderland GmbH gegeben und für etliche
Klassenstufen Gebühren für das Schulschwimmen eingeführt hat, erklärt Frau
Dingis-Dierig das neue Konzept als Erfolg, bevor die erste Schulstunde auch nur
begonnen hat. Die Hamburger Sportlehrerinnen sind empört und zeihen ihre
Vorgesetzte der Lüge. Das hat seit Jahrzehnten nicht gegeben. Deshalb drucken wir
die Pressemitteilung des Sprecherteams der Hamburger SportlehrerInnen in voller
Länge:
Nach der
Klassengrößen-Lüge jetzt die Schwimm-Lüge
Zur Pressemitteilung der
Behörde für Bildung und Sport vom 21.08.2006 „Hamburgs neues Schwimmkonzept ist
ein Erfolg“
Noch dreister und unverfrorener
geht es kaum: Allen Ernstes schmückt sich Hamburgs Schul- und Sportsenatorin
Dinges-Dierig mit dem Verdienst anderer, die gegen ihren Beschluss hart dafür
gearbeitet haben, dass an mindestens sechs Standorten in Hamburg Lehrschwimmbecken
erhalten bleiben. Dabei war es gerade die Senatorin, die zusammen mit dem Senat und
der CDU-Mehrheit in der Bürgerschaft die Schließung der Lehrschwimmbecken
betrieben und abgesegnet hatte – gegen jede inhaltliche Vernunft, aus reinen
Kostenerwägungen.
Zehn Monate lang wurde an den
Standorten darum gekämpft, mit eigenen Mitteln aus Vereinen, Verbänden und
Schulinitiativen eine Trägerschaft zu organisieren, um die Lehrschwimmbecken auch
ohne die gestrichenen Behördengelder zu erhalten und weiter so sinnvoll wie bisher
nutzen zu können. Die Behörde der Senatorin hat nichts dazu beigetragen. Dieses
mit großer Anstrengung der Beteiligten zum Erfolg gebrachte Bemühen heftet sich
nun die Senatorin an die Brust, spricht von „Übergabe“ der Becken und nimmt
dies zum Anlass, von einem „Erfolg des neuen Hamburger Schwimmkonzepts“ zu
sprechen. Das ist mehr als nur peinlich. In ihrem Schwimmkonzept war die Schließung
der Lehrschwimmbecken vorgesehen.
Das eigentliche „Schwimmkonzept“
– nämlich die gegen alle kritischen Stimmen aus vielen Gremien durchgesetzte
zwangsweise Auslagerung des Schwimmunterrichts aus den angeblich „selbstverantworteten
Schulen“ und Privatisierung durch einen Vertrag mit „Bäderland Hamburg“ hat
noch gar nicht eingesetzt. Zum jetzigen Zeitpunkt also von einem „Erfolg“ zu
sprechen, kann nur eines bedeuten: Man ist froh, dass es noch nicht begonnen hat. An
einigen Schulen wird es auch gar nicht beginnen, weil man dort die vorgesehenen
Bedingungen nicht für akzeptabel hält.
Nach der Lüge um die
Klassengrößen an den staatlichen Schulen, die angeblich nicht durch die Kürzungen
und Umstrukturierungen entstanden sein sollen, sondern von den Schulen mehr oder
weniger selbst verschuldet seien, tischt Frau Dinges-Dierig der ahnungslosen
Öffentlichkeit nun die erste Schwimm-Lüge auf. Was kommt als Nächstes?
Eine Stellungnahme zum nächste
Woche anlaufenden Schulschwimmen erhalten Sie demnächst.
Unterschrieben vom Deutschen Sportlehrerverband, Landesverband Hamburg (O.Marien)
15. Juni 2006
Eine Schule für alle
Gewissermaßen als Antwort auf den Vorstoß von Michael Neumann (SPD) hat
die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Sabine Boeddinghaus in der neuen Online-Zeitung
der SPD-Hamburg eine Lanze für ein integriertes Schulsystem geschlagen. Auch die
Arbeitsgemeinschaft für Bildung der SPD (AfB) hat sich ähnlich positioniert. Zu
lesen unter www.spd-hamburger-kurs.de.
Die Langfassung des AfB-Beschlusses kann hier herunter geladen werden. Eine Schule
22. Mai 2006
Michael Neumann
(SPD, MdBü)
für zweigliedriges Schulsystem
Der Vorsitzende der
SPD-Bürgerschaftsfraktion, Michael Neumann, hat sich in einer Rede vor der
Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut am
vergangenen Montag für ein zweigliedriges Schulsystem ausgesprochen. Danach soll es neben dem
Gymnasium eine zweite Schulform geben mit der Möglichkeit, dort alle Abschlüsse
bis hin zum Abitur zu erlangen. „Die Zersplitterungen der Hamburger
Schullandschaft müssen wir überwinden“, sagte Neumann. Ziel müsse es sein, die
Schulabbrecherquote zu verringern sowie die Abiturientenquote zu erhöhen.
„Wenn
wir uns heute ganz frei ohne Vorgeschichte für ein Schulsystem entscheiden
könnten, müssten wir uns die erfolgreichen Skandinavier zum Vorbild nehmen“,
erläuterte Neumann. „Wir sind aber nicht frei von Geschichte. 50 Prozent der
Eltern vertrauen dem Gymnasium. Über diesen klaren Wunsch kann keine Politik –
erst recht keine sozialdemokratische – hinweggehen. Neben dem Gymnasium brauchen
wir eine zweite attraktive Schulform. Diese Schule muss ein flächendeckendes
Angebot in den Stadtteilen sein; eine Schule, in der jedes Kind und jeder
Jugendliche nach seinen Fähigkeiten gefördert und gefordert wird und die Chancen
auf jeden Schulabschluss erhält.“
Ihren
Kurs im Hinblick auf die künftige Schulstruktur werden die Hamburger
Sozialdemokraten im Dezember auf einem Parteitag endgültig festlegen. Neben einem
zweigliedrigen Schulsystem steht zurzeit auch eine Schule für alle als Modell zur
Diskussion. „Es ist gut und richtig, dass wir die Debatte jetzt führen und die
Argumente sorgfältig abwägen. Wir wollen um ein gutes Ergebnis ringen“, sagte
Neumann.
Die
CDU hat derweil den Vorstoß von Michael Neumann begrüßt. Robert Heinemann (CDU,
MdBü) bewertet es nach Information des Hamburger Abendblatts positiv, dass sich
SPD-Fraktionschef Michael Neumann für ein zweigliedriges Schulsystem in Hamburg
ausgesprochen hat. Damit habe Neumann einen CDU-Vorschlag aufgegriffen. Es sei nun
zu hoffen, dass sich Neumann in seiner eigenen Partei durchsetzen könne. Für
Befürworter eines einheitlichen nicht gegliederten Schulsystems in den Reihen der
SPD wäre ein Verzicht auf das Ziel einer Schule für alle gleichbedeutend mit dem
Verzicht auf die Forderung nach Chancengleichheit. Ein zweigliedriges Schulsystem
ohne Perspektive der Integration des Schulwesens werde auf Dauer zu einem Oben und
Unten führen, zu einer Kastenstruktur im Schulwesen. Dagegen werde man sich
stellen.
3. März 2006
305 Lehrer existieren nur auf dem
Papier
Finanzbehörde kürzt weiter im Bildungsbereich
Bildungsbehörde täuscht Bürgerschaft und Öffentlichkeit
Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, hat die
Bildungsbehörde 306 Lehrer zu wenig eingestellt; 305 Lehrerinnen und Lehrer stehen
den Schulen weniger zur Verfügung, als die Bürgerschaft bewilligt hat. Das
Abendblatt spricht von eklatanter Rechenfehlern. Senatorin Alexandra Dinges-Dierig
gäbe Fehler zu. Die SPD-Fraktion spricht von Täuschung bei der
Haushaltsaufstellung.
Worum geht es:
Als Vertreter der Bildungsbehörde gegenüber der
Bürgerschaft Auskunft geben mussten, stellte sich heraus, dass von 13789
Lehrerstellen nur 13 350 besetzt sind. Der kleinere Teil - 134 Stellen - sei bewusst
für besondere Aufgaben freigehalten worden. Das Problem - so das Abendblatt - sei
der größere Rest von 305 Stellen: "Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig
(CDU) dachte bislang, dass auf diesen Stellen Lehrer sitzen. Diese Stellen sind
unbeabsichtigt freigehalten worden", habe Behördensprecher Alexander Luckow
etwas kleinlaut zugegeben. Tatsache ist: Die zuständige Abteilung und die
Finanzbehörde waren zu jedem Zeitpunkt über die tatsächliche Zahl der
Lehrerstellen informiert. Im Klartext: Wieder einmal wurden Bürgerschaft und
Öffentlichkeit bewusst getäuscht.
p.s.: Heute am 7.3.06 erfahren wir, dass nicht
einmal 13500 Stellen besetzt sind, sondern nur 13111.
|
|
Stellenzahl
(2004/6 besetzte Stellen)
|
Kürzungen
|
|
2001
|
14083
|
|
|
2002
|
13974
|
- 109
|
|
2003
|
13700
|
- 383
|
|
2004
|
13667
|
- 416
|
|
2005
|
13540
|
- 543
|
|
2006
|
13111
|
- 972
|
20. Januar 2006
Managerkreis fordert eine Schule
bis zur Klasse 10
Der Managerkreis
der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) stellt Leitlinien für eine zukunftsorientierte
Bildungspolitik auf. in dem Papier heißt es u.a.: "Die Antwort auf
unterschiedliche Bildungsfähigkeiten sollte nicht die Separierung
von Schülern in getrennten Schulen sein, sondern die Förderung der
individuellen Begabung in kleinen Gruppen. Wir halten eine Schulpflicht für zehn Schuljahre (so z. B. in Spanien) in gemeinsamen
Schulen für sinnvoll. Danach könnten Zusatzausbildungen
in speziellen beruflich orientierten Schulen oder speziellen wissenschaftlich
orientierten Schulen folgen. Die internationalen Erfahrungen über ein optimales „Tracking“,
d. h. die optimale Weichenstellung für unterschiedliche Bildungsgänge und Bildungsniveaus, sind
überwältigend. Zu frühe Trennungen in unter-schiedlichen
Schultypen sind suboptimal, weil Bildungspotenziale verschenkt werden. Die
Antwort sollte eine individuelle Förderung in kleinen Gruppen in solchen Fächern
sein, in denen Begabungsunterschiede relevant sind.
Das Schulsystem der Bundesrepublik ist
bisher durch einen sehr späten Beginn und eine
zeitlich
langwierige Ausbildung charakterisiert. „Früher und zügiger“ kann ein Reformmotto
sein, das ein Abitur mit 17 und einen Bachelor mit 22 zur Regel macht." (Der
Managerkreis hat die Adresse www.managerkreis.de;
das Papier kann hier herunter geladen werden.
15. Dezember 2005
Senat will Schulgebäude
privatisieren
Mit
dieser Meldung informierte der zuständige Fachausschuss der Gewerkschaft Verdi die
Hamburger Schulhausmeister kurz vor den Feiertagen. Wir zitieren:
"Heimlich,
still und leise möchte die Schulbehörde damit beginnen, die Äußere
Schulverwaltung in Hamburg zu privatisieren. Die Hausmeister der Schulen sowie die
anderen MitarbeiterInnen der Äußeren Schulverwaltung sollen in private Firmen
abgeschoben werden. Man hört,die Schulen sollen verkauft und danach angemietet
werden. Müssen Eltern bald Schulgeld bezahlen und für Schulmieten aufkommen?
Wir
befürchten, dass es bald Schulen 1. Klasse fürREiche und Schulen 2. Klasse für
Ärmere gibt! Die Privatisierung findet zu Lasten der Schüler, Eltern und
MitarbeiterInnen statt (siehe die 20 Million € "Nachschlag" der Stadt
für die privatisierten LBK - Krankenhäuser). Hier zeigt der Senat sowie die
Behördenleitung, was ihnen die Kinder und die MitarbeiterInnen dieser Stadt
wirklich wert sind. Wenn wir Näheres wissen, werden wir erneut informieren.
Außerdem werden wir gemeinsame Protestaktionen überlegen. Wir fordern: Finger weg
von der Privatisierung der Hamburger Schulen!
10. Dezember
2005
Vorschulgebühren: 792 Schülerinnen und Schüler
weniger als im letzten Schuljahr besuchen in Hamburg eine Vorschulklasse
Diese Information gab der Senat der SPD-Bürgerschaftsabgeordneten
Sabine Boeddinghaus (SPD) auf eine Kleine Anfrage zu den Auswirkungen der
Einführung einer Vorschulgebühr. 792 Kinder, das sind 13,6 Prozent, bekommen in
diesem Jahr nicht die durch die PISA-Untersuchungen angemahnte frühere Förderung,
sondern bleiben sich selbst überlassen. Ein Skandal, den die Medien nicht einmal
zur Kenntnis nehmen. Die Kleine Anfrage ergab darüber hinaus wichtige Details zur
Frage, welche Kinder derart negativ von den Gebühren betroffen sind, dass die
Eltern es vorziehen, sie zu Hause zu lassen. Nur 2 Promil der Kinder (12 von 5903),
die einen Platz in einer Vorschule erhielten, sind von den Vorschulgebühren
befreit. D.h. die Kinder der ärmsten Elternhäuser verzichten darauf, sich
komplizierten Antragsverfahren zu unterziehen. Die Leidtragenden sind die Kinder.
Um letzte Zweifel darüber auszuräumen, ob es einen Zusammenhang
gibt zwischen den Anmeldungen vor und nach der Einführung der Vorschulgebühren und dem Sozialstatus
der Betroffenen, hat die Arbeitsgemeinschaft für Bildung eine Korrelationsrechnung
erstellt. Dabei wurde der Sozialindex aller Schulen mit Vorschulklassen den
Anmeldeveränderungen gegenübergestellt. Das Ergebnis war deutlich: mit einer
Korrelation von + 0,27 ist der Zusammenhang belegt. Die bisher schon bestehende
Chancenungleichheit wurde durch die Einführung der Vorschulgebühren weiter
verschärft. Deshalb ist die Forderung der SPD-Abgeordneten mehr als berechtigt, die
Vorschulgebühren schnellstmöglich wieder abzuschaffen.
7. Dezember 2005
Kiel will das Sitzenbleiben einschränken!
Pläne von Ministerin Erdsiek-Rave zur
Abschaffung des Sitzenbleibens lösen in der großen Koalition handfesten Krach
aus. War die SPD in Schleswig-Holstein mit dem Konzept der Gemeinschaftsschule
in den Wahlkampf gegangen und hatte damit gepunktet, muss sie jetzt kleinere
Schritte gehen. Aber bereits die Ankündigung dieser kleinen Schritte ist auf
heftigen Widerstand der CDU getroffen. mehr
6. Dezember 2005
Kritik an Vorschul-Gebühren
Sabine
Boeddinghaus, MdBü, hat dem Senat vorgeworfen, mit der Einführung von
Vorschul-Gebühren "eine neue Generation von Pisa-Verlierern" zu
produzieren. Hintergrund ist die Antwort des Senats auf eine kleine Anfrage. Aus ihr
geht hervor, dass seit Einführung der Gebührenpflicht ein deutlicher Rückgang der
Vorschülerzahlen zu verzeichnen ist. Insbesondere in den sozial schwächeren
Vierteln habe es einen überdurchschnittlich hohen Rückgang gegeben. Gleichzeitig
werde nur ein Bruchteil der Eltern von Vorschulgebühren befreit.
27. November 2005
SPD diskutiert Vorschlag der CDU zur
Zweigliedrigkeit des Schulwesens in Hamburg
Nachdem die SPD-Bürgerschaftsfraktion in einer Großen Anfrage die Durchlässigkeit
der Hamburger Schulen thematisiert und u.a. die Abschaffung der Hauptschule
gefordert hatte, reagierte der bildungspolitische Sprecher der CDU mit einem
Vorschlag zur Einführung eines zweigliedrigen Schulsystem. Zu den vielen Reaktionen
darauf gehört eine Stellungnahme des SPD-Deputierte Lemke, der die aus der
empirischen Forschung zu ziehenden Folgerungen auf dem WEB-Seite des Arbeitskreises
veröffentlicht. mehr
Hamburger Abendblatt
22. November
2005
"Frühkindliche Bildung ausbauen"
Die soziale
Ungerechtigkeit im deutschen Schulsystem lässt sich nach einer Ifo-Studie vor allem
durch einen Ausbaufrühkindlicher Bildung und eine spätere Selektion auf
weiterführende Schulen verhindern. Der letzte Pisa-Test zeigte: Vor allem Kinder
aus wohlhabenden Familien sind in der Schule erfolgreich.
Hamburger Abendblatt
4. November
2005
"Neues Schulsystem nötig"
In einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt fordert der
Bürgerschaftsabgeordnete Heinemann die Abschaffung der Hauptschule und Einführung
einer Zweigliedrigkeit im Schulsystem.
Abendblatt: Einer der Aufsteiger der Saison
bei der Pisa-Studie ist Sachsen. Was kann Hamburg von diesem Bundesland lernen?
ROBERT
HEINEMANN: Sachsen hat ein relativ einfaches Schulsystem, nämlich ein
zweigliedriges: Gymnasium und Regel- oder Mittelschule. Wir müssen uns in der Tat
fragen, ob unser Nebeneinander von fünf Systemen auf die Dauer richtig ist: Haupt-,
Realschule, integrierte Haupt- und Realschule, Gymnasium und Gesamtschule. Ich
schlage vor, darüber nachzudenken, ob das sächsische Modell für uns das richtige
ist. Gleichzeitig sollten wir uns überlegen, ob wir den Haupt- und Realschulen
eigentlich vorgeben müssen, wie sie sich organisieren. Warum können die nicht
selbst bestimmen, ob und wie eng sie zusammenarbeiten?
ABENDBLATT:
Ihre Überlegungen bedeuten eine Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem, bislang
eine Art heiliger Kuh konservativer Bildungspolitik.
HEINEMANN:
Ich bin zu Gesprächen mit den anderen Parteien bereit. Viele wissen im übrigen
nicht, daß wir ja schon jetzt in den Klassen fünf und sechs ein zweigliedriges
System haben, weil Haupt- und Realschule auf diesen beiden Stufen zusammenarbeiten.
Mein
Wunsch ist, das ideologische Kriegsbeil der vergangenen Jahrzehnte im Interesse der
Sache zu begraben. Ich hoffe, daß wir aufhören, über Schulstrukturen zu
diskutieren, indem wir zu einer gemeinsamen Lösung kommen. Dann können wir uns auf
das konzentrieren, was in den Schulen passiert - unabhängig von der Schulform. Eine
gemeinsame Lösung kann aber für mich nicht heißen, daß wir weiter die Diskussion
zweigliedriges gegen integriertes Gesamtschulsystem führen. Ich bin dann für ein
zweigliedriges System für ganz Hamburg.
Die
Pisa-Studie beweist ja wieder, daß die Gesamtschulen ihrem Anspruch nicht gerecht
werden. Zudem haben sie in Hamburg erschreckend hohe Abbrecherquoten.
ABENDBLATT:
Was kann der Verzicht auf die eigenständige Hauptschule bringen?
HEINEMANN:
Ich will die Hauptschulen nicht einfach abschaffen, sondern den Schulen überlassen,
wie und wo sie differenzieren. Die Mischung von stärkeren und schwächeren
Schülern kann verhindern, daß es zu Restgruppen kommt, die nicht mehr beschulbar
sind. Eins muß klar sein: Die leistungsstärkeren Schüler dürfen nicht
benachteiligt werden - Differenzierung ist nötig.
ABENDBLATT:
Schreckt Sie eigentlich, daß Sie nun die Argumente Ihrer politischen Gegner
verwenden?
HEINEMANN:
Ganz so ist es nicht, das werden wir noch in der Diskussion merken. Ich nehme aber
Realitäten zur Kenntnis und sehe, was sich in den Schulen verändert hat.
ABENDBLATT:
Läßt sich mit dem sächsischen Modell Geld sparen?
HEINEMANN:
Nicht wesentlich. Das Geld wird nach der Zahl der Schüler zugewiesen, die sich ja
nicht ändert.
ABENDBLATT:
Innerhalb welchen Zeitraums kann das Modell realisiert werden?
HEINEMANN:
So etwas läßt sich eher mittelfristig umsetzen, also im Laufe einiger Jahre. Bei
den Haupt- und Realschulen müßte lediglich der rechtliche Rahmen geändert werden.
Anders ist das bei den Gesamtschulen.
18. Mai 2005
SPD-Berater Lauterbach fordert Gemeinschaftsschule
Wie die Süddeutsche Zeitung meldet, hat der Regierungsberater und Ökonom
Karl Lauterbach die Einführung einer verpflichtenden Ganztags-Vorschule für alle
drei- bis sechsjährigen Kinder verlangt. Ab dem Alter von sechs Jahren sollten alle
Kinder eine ganztägige Gemeinschaftsschule besuchen, auf der sie je nach ihrer
Begabung unterschiedlich gefördert werden könnten. Wörtlich heißt es in einem
Papier des Beraters zur Grundsatzdebatte der SPD: "Eine obligatorische
Vorschule von hoher Qualität, in der zumindest fachhochschulqualifizierte
Erzieherinnen spielerisch mit geprüften pädagogischen Konzepten die Lernfähigkeit
der Kinder fördern, ist wahrscheinlich die bedeutendste Einzelmaßnahme, mit der
die großen Defizite insbesondere der Kinder aus bildungsfernen Schichten
ausgeglichen werden könnten. Für Kinder mit Deutschproblemen müsste ein
verpflichtender Sprachunterricht integriert werden. Ein solches für Familien
kostenloses und möglichst ganztätiges Vorschulsystem sollte durch ein ebenfalls
kostenloses und flächendeckendes ganztägiges Kinderbetreuungsangebot für die
Kinder unter drei Jahren ergänzt werden. Das Grundschulsystem und die
Sekundarstufen sollten zusätzlich auf ein ganztägiges Modell der
Gemeinschaftsschulen umgestellt werden, in dem die Kinder wie in den meisten
Ländern Europas mit guten Bildungsergebnissen nach ihren individuellen Begabungen
gefördert werden. Dabei kann es nicht um Gesamtschulen mit quasi drei Schultypen
unter einem Dach gehen, sondern um Schulen mit einem differenzierten Angebot, vielen
Wahlmöglichkeiten, kleineren Klassen und einheitlichen hohen Bildungsstandards für
alle Begabungsstufen bis hin zur Hochbegabtenförderung."
26. April 2005
CDU: Kooperative Gesamtschulen
stärken!
Wie das
Hamburger Abendblatt berichtet, will die CDU-Bürgerschaftsfraktion die kooperativen
Gesamtschulen in Hamburg stärken und ausbauen. In einem Bürgerschaftsantrag, den
die Unions-Abgeordneten gestern beschlossen haben, wird der Senat zu einer Reihe von
Neuregelungen aufgefordert. Offenbar hat auch die CDU jetzt erkannt, dass sich die
frühe Selektion nach Klasse vier auf Dauer nicht halten lässt. Angesichts der
notwendigen Schließung von 18 Haupt- und Realschulen in diesem Jahr, ist ein
Festhalten insbesondere an den Hauptschulen auch für die CDU offenbar nicht
akzeptabel. Damit der Wähler diesen Kurswechsel aber nicht merkt, soll deshalb
zunächst der Name der Schulform geändert werden. Statt kooperative Gesamtschule
soll das "Erfolgsmodell" künftig kooperative Schule heißen. Darüber
hinaus sollen die Kooperativen Gesamtschulen organisatorisch in der Behörde nicht
mehr der Aufsicht der Gesamtschulen unterstellt werden.
19. April 2005
Am Mittwoch, dem 20. April 2005, wird die
Schuldeputation über die zukünftige Arbeit in den Vorschulklassen beraten. Basis
des neuen Konzepts ist die Erhebung einer Vorschulgebühr. Während die
Presseabteilung der BBS wiederholt auf angebliche Verbesserungen gegenüber der
derzeitigen Konzeption hingewiesen hat, und zwar durch die Einführung eines
täglich fünfstündigen Betreuungsangebotes in den Vorschulklassen, sieht sich die
SPD-Gruppe der Schuldeputation nach Vorlage des Konzepts in ihrer Sorge bestätigt:
Die zukünftige Rahmenkonzeption bedeutet
-
eine weitere Verdichtung der Arbeit für die
Beschäftigten,
-
weniger Zeit für das einzelne Kind sowie
-
Einbußen in der Qualität der pädagogischen
Anstrengungen und ihrer Ergebnisse.
Besonders verärgert
zeigte sich die Deputierte Meike Jensen (SPD) darüber, dass erneut Verbesserungen
wieder nur beschworen werden, nicht aber die Voraussetzungen benannt, unter denen
die Verbesserungen erreicht werden können. So werde es zu keiner konkreten
Verbesserung der Ergebnisse führen, wenn das Kind auf Grund einer Richtlinie als
„zunehmend selbstständig und selbstverantwortlich Lernendes in einem lebenslangen
Lernprozess verstanden wird.“
Der Deputierte Lemke
(SPD) wies erneut darauf hin, dass
-
die
Ausweitung der Stundentafel durch die vorherige Streichung von Teilungsstunden
und die Erhöhung der Frequenzen erkauft wird und
-
zukünftig
nur noch SozialpädagogInnen in den Vorschulklassen tätig sein sollen.
Lemke wörtlich: „Es
ist mir unerfindlich, wie die angestrebte Anschlussfähigkeit an die Klasse 1 der
Grundschule erreicht werden soll, wenn die Verbindungsglieder und Wissensträger,
die Grundschullehrerinnen, sämtlich aus den Vorschulklassen abgezogen werden.“
Ebenso wenig sei erkennbar, nach welchen Sprachförderkonzepten die proklamierten
Ziele erreicht werden sollen.
Die SPD-Gruppe der
Schuldeputation wird das behördliche Konzept wegen der genannten Verschlechterungen
ablehnen, insbesondere aber, weil es einen Paradigmenwechsel von der
Schulgeldfreiheit hin zur Einführung eines Schulgeldes bedeutet.
18. Februar 2005
Schulsenatorin verweigert der Deputation gesetzlich verbriefte
Mitwirkungsrechte
Zu
einer ungewöhnlichen Maßnahme griffen SPD- und GAL-Deputierte der Schulbehörde,
nachdem die Schulsenatorin verweigert hatte, über eine Richtlinie zur
Neuorganisation der Lehrerbildung mit zu entscheiden. Sie schrieben an den
CDU-Bürgermeister mit der Bitte um Intervention wandten sich mit einer gemeinsamen
Presseerklärung an die Öffentlichkeit. Hier der Wortlaut:
Die
Senatorin ist darum bemüht, die gesetzlich verbrieften Entscheidungsrechte der
Deputation einzuschränken. Anlass für den jüngsten Konflikt sind die
einschneidenden Veränderungen der Lehrerausbildung: das Referendariat wird
verkürzt, die Unterrichtsverpflichtung der Referendare wird erhöht, der Anteil der
fachdidaktischen Ausbildung wird abgesenkt.
Der
Entwurf für die Novellierung der Verordnung über den Vorbereitungsdienst wurde
zwar der Lehrerkammer zur vorherigen Stellungnahme vorgelegt, aber den Deputierten
wurde verweigert, sich damit zu befassen.
Ähnlich
verfährt die Senatorin mit den veränderten Richtlinien über die Ausbildung. Noch
im Oktober 2004 lag der Deputation ein Entwurf zur Entscheidung vor. Den wollte die Deputation aber wegen des
unzureichenden Inhalts nicht beschließen. Daraufhin wurde er in Form einer
Dringlichkeitsentscheidung zum 1. November trotzdem in Kraft gesetzt und der
Deputation nie wieder vorgelegt.
Die
Senatorin ignoriert mit diesem Vorgehen die Tatsache, dass die Deputation das
oberste Entscheidungsgremium der Behörde ist und
dass das einschlägige Gesetz eindeutig sagt: „Die Deputierten nehmen insbesondere
teil an Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung“ (Gesetz über die
Verwaltungsbehörden, § 9, Abs. 1).
Dass
Veränderungen der Lehrerausbildung Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung
sind, stand mehr als 50 Jahre lang für alle Beteiligten außer Frage, und immer
wurde die Deputation an diesen Entscheidungen beteiligt.
Nachdem
in den internen Auseinandersetzungen keine Verständigung erreicht werden konnte,
wenden sich die Deputierten von SPD und GAÖ nun an den Bürgermeister. Ole von
Beust wird gebeten, den Senat entscheiden zu lassen. Sie berufen sich auf das
genannte Gesetz: „In Zweifelsfällen entscheidet der Senat über die Mitwirkung
der Deputierten“ (§ 9, Abs. 5)
25.1.05
Pressemeldung
der SPD-Deputierten in der Behörde für Bildung
und Sport
Zur Abschaffung der Lernmittelfreiheit:
Denn sie wissen nicht, was sie tun!
Mit leichter Hand im Eiltempo wollen CDU und
Bildungsbehörde die Lernmittelfreiheit in Hamburg abschaffen. Bevor auch noch die
dazu notwendige Gesetzesänderung im Parlament beschlossen wurde, soll die
Deputation der Schulbehörde Verfahrensregeln zur privaten Finanzierung der
Schulbücher festlegen. Die SPD-Gruppe der Deputation der Schulbehörde lehnt
jedwede Verfahrensregelung und Festlegung auf Elternbeiträge ab, bevor nicht das
Parlament die tief greifende Änderung zu Lasten der Eltern beschlossen hat.
So wichtig die von der Bildungsbehörde
genannten Gesichtspunkte zur Erneuerung des Schulbuchbestandes und zum gewünschten
pfleglichen Umgang der Schülerinnen und Schüler mit Schulbüchern auch seien,
betonte Meike Jensen, so untauglich sei die Abschaffung der Lernmittelfreiheit zur
Erreichung dieser Ziele. Die Hauptlast der Finanzierung den Eltern aufzubürden,
überfordere die sozial Schwachen, sei sozial ungerecht und vereitle das Ziel von
Chancengerechtigkeit und Leistungssteigerung in den Schulen. Aus PISA habe die CDU
offenbar nichts gelernt.
Der Deputierte Dietrich Lemke unterstellte CDU
und Bildungsbehörde, die Bedeutung der Abschaffung der Lernmittelfreiheit nicht
auch nur im Ansatz erfasst zu haben. Die Lernmittelfreiheit sei nach dem ersten
Weltkrieg in die Weimarer Verfassung (Artikel 145) aufgenommen worden, um den
Bildungsstand der Bevölkerung zu heben. Nach dem 2. Weltkrieg hätte der Alliierte
Kontrollrat
von den deutschen Verwaltungen in der
Kontrollratsdirektive Nr. 54 (25.6.1947) "Grundprinzipien für die Demokratisierung des
Bildungswesens in Deutschland" die Schaffung gleicher Bildungsmöglichkeiten
für alle und die Lehr- und Lernmittelfreiheit
an allen Schulen gefordert. Die Umsetzung in Hamburg erfolgte 1950. Es
sei beschämend, dass der erste Versuch der CDU, die Lernmittelfreiheit 2002
abzuschaffen, an der Intervention eines Mitgliedes der Schillpartei (MdBü
Silberbach) gescheitert sei. Wenn die CDU nun erneut den Versuch unternehme, die
Lehrmittelfreiheit abzuschaffen, sei dies ein Beleg dafür, dass sie die Dimension
ihres Handelns nicht erkannt habe: Denn sie wissen nicht was sie tun.
Im einzelnen erklärt die SPD-Gruppe der
Deputation der Behörde für Bildung und Sport: Die Abschaffung der
Lernmittelfreiheit
- überfordert sozialschwache Familien,
- trifft besonders Familien mit mehreren
Kindern und niedrigem Einkommen,
- diskriminiert die Kinder von arbeitslosen
Eltern und Sozialhilfeempfängern,
- verschiebt gesamtgesellschaftliche
Verantwortung auf die einzelnen Eltern,
- überfordert Jugendliche in der
Ausbildung,
- führt zu einer erheblichen
Preissteigerung, wenn Eltern die Bücher über den Buchhandel beziehen,
- erhöht den Verwaltungsaufwand in den
Schulen,
- entlastet den Haushalt nur unerheblich und
bedeutet
- die Aufkündigung der Priorität Bildung
insgesamt.
24.12.04
Vorschulbesuch kostet künftig Gebühren
Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, müssen Hamburgs Eltern für den
Vorschulbesuch ihrer Kinder ab
dem kommenden Schuljahr Gebühren bezahlen. Bisher war der Besuch der Vorschule
kostenfrei. Zukünftig werden Gebühren bis zu 192 € monatlich erhoben.
Diese
Information ist dem Hamburger Abendblatt gerade mal einen Zweispalter auf Seite 16
wert. Die Leiter der Grundschulen, würden den Eltern im kommenden Jahr beratend zur
Seite stehen. Im Übrigen sei die Gebühr wegen der Ferien nicht auf zwölf, sondern
auf neun Monate berechnet, und auch das sei neu, die Vorschulen würden in Zukunft
verlässlich sein, das heißt, es solle keinen Unterrichtsausfall mehr geben. Das
scheint doch alles gar nicht so schlimm!
Nein, ein
Skandal ist das! Während Deutschland im internationalen Ranking immer weiter
abrutscht und die pädagogische Wissenschaft Frühförderung für unverzichtbar
erklärt, dreht der Senat an einer neuen Sparschraube. Man muss nicht Prophet sein,
um zu erkennen, dass sich viele Eltern eine zusätzliche finanzielle Belastung nicht
mehr erlauben können, und dass gerade eher bildungsfernere ärmere Familien
zukünftig darauf verzichten müssen, ihr Kind in eine Vorschule zu schicken. Allen
schönen Sonntagsreden des CDU-Senats zum Trotz: Was hier passiert, ist schierer
Bildungs- und Sozialabbau! So machen wir Hamburg nicht zukunftsfest!
18.12.2004
Gymnasium Tonndorf und Gymnasium Osdorf
sollen Kooperative Gesamtschulen werden
Eine interessante Wendung hat
die Schulschließungsdebatte nach Informationen des Hamburger Abendblattes für die
Gymnasien Tonndorf und Osdorf genommen. Zunächst war das Gymnasium zur Schließung
vorgesehen. Auch die Nachbarschule Sonnenweg hatte keine Perspektive in den ersten
beiden Entwürfen des Schulentwicklungsplans der BBS. Nun verlautet, dass sich beide
Schulen im Verbund mit der Grundschule Eckerkoppel zu einer Kooperativen
Gesamtschule entwickeln sollen. Eine glückliche Wendung für die Schulen und die
Kinder im Einzugsbereich.
In Altona war
die Konstellation eine andere: Hier war der GHR-Standort Goosacker gefährdet. Um
hier zwei kleine Grundschulstandorte erhalten zu können, sollen sie nun unter das
Dach einer Kooperativen Gesamtschule schlüpfen, die im Kern im Gebäude des
derzeitigen Gymnasium Osdorf untergebracht sein soll. Die Schulen Wesperloh,
Goosacker und das Gymnasium Osdorf müssen sich nun auf den Weg machen. Glück auf!
2.12.2004
Volksinitiative
„Bildung ist keine Ware“ klagt gegen Bürgerschaft
Wie aus einer Presseerklärung der Initiative hervorgeht hat das Bündnis
für Berufsbildung am 1.12.04 einstimmig festgestellt:
"Der
Mehrheitsbeschluss der Bürgerschaft vom 24.11.04 zur Reform der Beruflichen Schulen
entspricht nicht dem Anliegen des Volksbegehrens „Bildung ist keine Ware“.
Es handelt sich bei dem vorgelegten Modell um einen Schritt zur Privatisierung unter
maßgeblicher Beteiligung von Wirtschaftsvertretern an der inhaltlichen
Ausgestaltung des schulischen Anteils der Beruflichen Bildung. Das Volksbegehren
hatte demgegenüber zum Ziel, dass die Beruflichen Schulen in Hamburg unter
unmittelbarer und uneingeschränkter staatlicher Leitung bleiben. Dieses Ziel haben
mehr als 120.000 Hamburger Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Unterschrift
unterstützt. Wir werden durch eine Klage beim Hamburger Verfassungsgericht einen
Volksentscheid möglich machen. Professor Sterzel von der Uni Oldenburg wird die
Klageschrift aufsetzen. Er hatte schon ein Gutachten über die ursprünglich
geplante Stiftungserrichtung verfasst und festgestellt, dass diese Pläne
verfassungswidrig waren."
GEW Vorsitzende Dr.
Stephanie Odenwald, eine Initiatorin der Initiative: „ Das, was die CDU vorgelegt
hat, reicht nicht , sie muss deutlich nachbessern, sonst wird im kommenden Jahr die
Hamburger Bevölkerung entscheiden.“
22.9.04
In der Aktuellen Stunde der
Bürgerschaft am 22.09.04 bezog der Abgeordnete Lein (SPD) Position für die
Fortführung der Integration des Hamburger Schulwesens:
Die neue Hamburger Schule – Aufbruch für alle Kinder
1. Als Gesamtschullehrer könnte ich mich
angesichts dieser Auseinandersetzung lächelnd zurücklehnen und feststellen, dass
sich immerhin jährlich über 30% der Eltern Hamburgs für die Alternative zum
Aussortierungsschulsystem entscheiden. Und meine Partei hat sich immer offen dazu
bekannt, dass unser politisches Ziel die Abkehr von der Homogenisierungsfiktion der
gegliederten Schule ist. Lernen in nach angeblicher oder tatsächlicher Leistung
sortierten Gruppen ist weniger effektiv – fördert im übrigen auch den
traditionellen Frontalunterricht. Ganz naheliegend ist die GAL in dieser Frage nicht
unser Gegner. Die CDU ist es, die in der Bildungsstrukturpolitik rückwärtsgewandte
Klientel-Politik macht. mehr
18. September 2004
Integration
in Hamburg vor dem Aus!
Abschaffung
von Integrativen Regelklassen, Kombiklassen und Teilen von REBUS droht!
Eine Initiative für den
Erhalt integrativer Einrichtungen ruft zu einer Demonstration am 22. September auf.
Der Initiative gehören an der Grundschulverband, die GEW, der Elternverein Hamburg,
der Verband Integration an Hamburger Schulen sowie die IR-Elterngruppe der Eltern
für Integration sowie Leben mit Integration HH. Hier ihr Aufruf:
Die CDU wird am 22.
September 2004 einen Antrag zur Einführung von Diagnose- und Förderzentren
in die Bürgerschaft einbringen. Statt das gelungene Modell der Integrativen
Regelklassen auszuweiten, werden diese nun zerschlagen. Unter dem „Deckmäntelchen“
von mehr Gerechtigkeit, wird der Mangel auf alle gleichmäßig verteilt. Das führt
nachweislich zu mehr Kindern in Sonderschulen und Förderzentren und zu weniger
Integration in Regelklassen vor Ort.
Wir
fordern den Ausbau der Integrativen Regelklassen zu einem flächendeckenden Konzept
der „Grundschule als Förderzentrum“. Alle Eltern,
SchülerInnen und LehrerInnen müssen sich gegen diese rückwärts-gewandte
und kinderfeindliche Politik zur Wehr zu setzen. Es geht um die Zukunftschancen aller
Kinder. Unser lautstarker Protest (Pfeifen, Trompeten, Rasseln und alles was Krach
macht) muss in der Bürgerschaftssitzung zu hören sein.
Aufruf zur Demonstration
22. September 2004
16 Uhr Hauptbahnhof – Ausgang Spitalerstraße
17 Uhr Kundgebung und Pfeifkonzert
Fachtagung zur Berufsausbildung
Berufliche Schulen werden sich in den nächsten
Jahren nach dem Vorbild anderer europäischer Länder zu weitgehend selbständigen
und eigenverantwortlichen Institutionen entwickeln. Wie und unter welchen
Bedingungen dies geschehen sollte, darum ging es auf der Fachtagung der SPD am
Sonnabend, 21. August 2004. Sobald die Ergebnisse ausgewertet sind, werden wir
weiter berichten.
17. August 2004
Neu Bildungsinitiative in NRW
Unter Beteiligung der evangelischen Kirch von
Westfalen, der Handwerkskammer NRW, der BDA, des IFS Dortmund, der
Gustav-Heinemann-Initiative, des Bundeselternrates, des VBE, des Städtetages, des
Grundschulverbandes, des DGB und der GEW hat sich eine "Initiative für eine
neue Schule" gebildet. Einzelheiten gehen aus einem Flyer hervor, der uns aus
NRW erreicht hat: "Neue Schule"
6. Juni 2004
Finanzsenator
Peiner verteidigt Sparmaßnahmen in der Bildung und diffamiert Hamburgs Schulen
In einer Talkshow des Senders Hamburg 1 sagte
Senator Peiner heute gleich viermal die Unwahrheit: Hamburg gebe mehr Geld pro
Schüler aus als alle anderen Bundesländer (das war einmal unter rot/grün);
Hamburgs Schüler hätten in der Pisa-Studie die schlechtesten Ergebnisse erzielt
(Der Finanzsenator hat die Pisa-Studie offenbar nie gesehen); es gebe große
Gesamtschulen, die "mit viel Geld miserable Ergebnisse erzielen" (die
Gesamtschulen waren bei Pisa nicht beteiligt, in den Lernausgangslagenuntersuchungen
(LAU - 5/7/9) erzielten Gesamtschüler in etlichen Bereichen sogar sehr gute
Ergebnisse); und der Senat würde keine öffentlichen Unternehmen verkaufen, um den
Haushalt zu konsolidieren. Das schlägt dem Fass den Boden aus! Die
bildungspolitischen Aussagen haben wir in einem Videoclip eingefangen. (Mit einen
Click auf Peiner können Sie - mit der notwendigen Software - den Senator im
Originalton hören - und sehen.)
16. Mai 2004
CDU kündigt Priorität Bildung auf:
Lehrerstellenplan wird zum
Steinbruch für Haushaltssanierung!
Wer
geglaubt hatte, das von Rudolf Lange verursachte Chaos im Lehrerstellenplan sei nach
den Bürgerschaftswahlen und der Übernahme der Bildungsbehörde durch die CDU
Episode, der sieht sich jetzt schwer getäuscht. Wieder wird in den Stellenplan der
Schulbehörde eingegriffen, um den Haushalt zu sanieren. Wieder fehlen die Konzepte
der Neuorganisation, wieder ist das Datenmaterial völlig unklar: Klar ist, dass die
Klassenfrequenzen erhöht werden sollen. Klar ist, dass die Frequenzerhöhung rund
1000 Lehrerstellen einspart. Weniger klar ist bisher, wie viel Stellen für die
aufwachsenden Schülerzahlen benötigt werden, wie teuer zusätzliche Maßnahmen
werden, wie z.B. die Einrichtung von Ganztagsschulen oder die Veränderung der
Stundentafeln im Gymnasium zur Schulzeitverkürzung. Frau Dinges-Dierig erklärte
auf der Pressekonferenz, etwa 80 Prozent der durch die Frequenzerhöhung
erwirtschafteten Stellen würden "ins System zurückfließen". Das heißt,
20 Prozent, also 200 Stellen müssen an die Finanzbehörde abgeliefert werden.
Gleichzeitig wurde erklärt, es bliebe bei den zugesagten 13800 Stellen per August
2004 und 13900 per August 2005. Eine andere Information auf der selben
Pressekonferenz lautete: 81 Stellen müssten abgeliefert werden, weitere 30 würden
gesperrt, um Klassenreisen zu finanzieren, ggf. würden weitere Stellen gesperrt,
wenn es nicht gelänge, die geforderten Einsparungen im Sachhaushalt zu erbringen.
Im Übrigen würde die zuständige Abteilung Stellen in noch unbestimmter Höhe
vakant halten, also nicht besetzen. Nur besetzte Stellen sind jedoch für die
Schulen wichtig, vakante Stellen nützen nur den Haushältern. Interessant ist auch
die Frage, mit welchen Schülerzahlen die BBS in der Prognose gerechnet hat. Auf der
Pressekonferenz wurde eine Zahl von 228 Tausend für das Jahr 2008 genannt.
Bisherige Prognosen haben diese Zahl schon in 2005 gesehen. Die
Kultusministerkonferenz spricht von 243 Tausend in 2008. Die AfB wird sich bemühen,
so schnell wie möglich Licht in das Dunkel des Stellenchaos zu bringen und an
dieser Stelle über das Ergebnis der Recherche berichten.
16. Mai 2004
Maulkorberlass für
Hamburger Lehrer!
Schulbehörde will öffentliche Äußerungen zensieren!
Die
Hofberichterstattung durch die Springer-Presse reicht der CDU zur Absicherung ihrer
Politik offenbar immer noch nicht aus. In Erwartung von Protesten gegen die
verkündeten Sparmaßnahmen (Streichung von Lehrerstellen, Kürzung der Lernmittel,
Verzicht auf notwendige Baumaßnahmen etc.) muss die Lehrerschaft deshalb noch
einmal besonders vergattert werden. Nur so ist die Verfügung der Bildungsbehörde
vom 28. April 2004 zu erklären, nach der alle Mitarbeiter der BBS, und das ist das
gesamte pädagogische und nicht pädagogische Personal an den Hamburger Schulen,
verpflichtet werden, sich "öffentlichwirksam" … "nur in Absprache
und Übereinkunft mit dem Pressesprecher" zu äußern. Auch alle
Informationsschriften sind dem Pressereferat zuzuleiten, "um durch rechtzeitige
Absprache - wo nötig - auch eine inhaltliche Abgleichung sicherzustellen." Das
ist nichts anderes als die Einführung einer Zensur, die nicht hingenommen werden
darf!
In
der Debatte um die genannte Verfügung auch in der Hamburger Bürgerschaft wurde von
Seiten der Behörde abgewiegelt, es handele sich dabei lediglich um eine
technisch-pragmatische Anordnung, die den Informationsfluss nach außen und das
Binnenverhältnis zwischen Mitarbeitern der BBS und dem Referat V 15 regeln solle.
Die neue Schulsenatorin wollte in der Verfügung keinen Maulkorb erkennen, vielmehr
fordere sie die Loyalität der Kollegen ein. Es ginge um das Spannungsfeld
"zwischen Loyalität und Meinungsäußerungsfreiheit". Wohl wahr. Das
Problem ist nur, dass mit der Verfügung die Meinungsäußerungsfreiheit zu Gunsten
einer wie immer gearteten Loyalität aufgekündigt ist. Eine allgemeine
Loyalitätspflicht gibt es ohnehin gar nicht. Die Hamburgische Verfassung
verpflichtet die Öffentlich Bediensteten auf das Wohl der "Gesamtheit".
Der Bedienstete "hat seine Aufgabe unparteiisch und ohne Rücksicht auf die
Person nur nach sachlichen Gesichtspunkten wahrzunehmen" (Art. 58). Auch die
Beamtengesetze sagen nichts anderes, und in einem Rechtsstaat gibt es grundsätzlich
nur konkrete und spezifische Pflichten. Die Pflicht, zu einer
"Übereinkunft" - worüber auch immer - mit dem Pressesprecher zu kommen,
ist dagegen unkonkret und unspezifisch.
Hier
ist zu fragen: In welcher Stadt leben wir eigentlich? Hamburgs Schulen haben sich
seit der Weimarer Zeit durch einen besonders freiheitlichen Geist ausgezeichnet. In
Hamburg ging es immer darum, die Verantwortung der Lehrerinnen und Lehrer und der
Schulleitungen in jeder Hinsicht zu stärken, sie nicht an der kurzen Leine zu
führen und auch das Risiko einzugehen, einmal weniger stromlinienförmige
Äußerungen hinnehmen zu müssen (vgl. Joist Grolle: "Verteidigte Aufklärung,
Plädoyers zu Erziehung und Politik"). Das durch Verantwortungsübertragung auf
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzeugte spezifisch liberale Klima in Hamburg
darf nicht auf Grund erwarteter Proteste gegen die Sparmaßnahmen und einer
erwarteten weniger freundlichen Presse geopfert werden. Will die neue Senatorin
nicht gleich zu Beginn ihrer Amtszeit zu viel Porzellan zerschlagen, ist sie gut
beraten, die Verfügung schleunigst zurückzuziehen.
11. Dezember 2003
Schulbehörde unterdrückt
Informationen über geplante Privatisierung der Berufsschulen
Die Gesellschaft der Freunde des hamburgischen
Schulwesens, ein Verein der sich zur Aufgabe gemacht hat, den Verkauf von Schulen zu
verhindern, ist von der Schulbehörde aufgefordert worden, Informationen zur
geplanten Privatisierung der Berufsschulen aus dem Netz zu nehmen. Bei diesen
Informationen handelt es sich um zwischen Schulbehörde und Handelskammer
entwickelten Arbeitspapieren, und zwar
- Vorlage für die Kammern zur strukturellen
Reform des Beruflichen Schulwesens in Hamburg mit Anlagen
- "Das Konzept"
- "Vollständiger Bericht der Arbeitsgruppe
zur Reform des Beruflichen Schulwesens"
- "Eckwerte-Papier (Kurzfassung)
Wir fragen: Welches Interesse hat die BBS nach dem
Scheitern von Senator Lange und nach der Entscheidung für Neuwahlen jetzt noch, die
Informationen zu unterdrücken? Die Absicht von Herrn Lange ("Hit and
Run-Rudolf") und der Handelskammer ursprünglich war, klammheimlich, möglichst
ohne dass die Öffentlichkeit davon Kenntnis erhielt, die Privatisierung der
Berufsschulen umzusetzen. Und jetzt? Die Papiere sind für Interessenten erhältlich
bei den Kammern, Personalräten und können auch bei der "Gesellschaft"
eingesehen werden. mehr
|