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Norwegen: Seit
1920 erfolgreiche Gesamtschule
In Norwegen ist das Prinzip gleicher Bildungschancen tief
verwurzelt. Telhaug (1989) sagt ironisch warum: "Die Norweger würden
eher den Kopf einer hochgewachsenen Person abschlagen, als einem Einzelnen
zu gestatten, über alle anderen hinwegzusehen."1
Rückblick
Die 1920 in Norwegen eingeführten Gesamtschulen waren Vorläufer
des nordischen Modells, in dem alle Kinder aus allen sozialen Schichten
für die ersten sieben Schuljahre in der "Folkeskole" zusammen
bleiben. Das Konzept der "Folkeskolen" vereint die Ideen des
Skandinavischen Grundtvigianismus mit dem Einfluss der aufkommenden
sozialistischen Bewegung. Die nächsten Schritte wurden mit der "Ungdomsskole"
Mitte der Sechzigerjahre und 1976 mit der endgültigen Abschaffung des
mehrgliedrigen Systems (streaming) - einem für einige Jahre gemachten
Zugeständnis an die konservative Partei - vollzogen. 1969 wurde die
Schulpflicht auf neun Jahre angehoben. Sie galt zunächst für alle
Sieben- bis Sechzehnjährigen. 1993 schließlich wurde das
Einschulungsalter auf das sechste Lebensjahr und die Schulpflicht auf 10
Jahre festgelegt.
Mit der Gesetzgebung über die Grundschulen 1969 wurde u.a.
auch versucht, die bestehenden Bildungsunterschiede zwischen Stadt und
Land abzubauen. Trotz der Anstrengungen und beachtlicher Erfolge blieben
noch für etliche Jahre Unterschiede in der Qualität und den
Ergebnissen des Unterrichts der Schulen in den ländlichen und
städtischen Gebieten.
Die Schulstruktur
Das Bildungswesen hat eine im Wesentlichen horizontale Gliederung und
ist in fünf Hauptbereiche eingeteilt:
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Pflichtschule als Gesamtschule für alle Kinder und Jugendlichen
von 6 bis 16,
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weiterführende Schulen für Jugendliche von 16 bis 18 Jahren mit
akademischen, beruflichen oder kombinierten
akademisch/berufsbildenden Angeboten,
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Colleges, die allgemein als Hochschulen (Högskoler) bezeichnet
werden,
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Universitäten und
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Angeboten der Erwachsenenbildung.
Die Pflichtschule ist dabei in zwei Abschnitte geteilt, und zwar
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der Grundstufe (barnetrinnet) von der 1. bis 6. Klasse
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darin dem 1. Block, Klassen 1 bis 3 und
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dem 2. Bock, Klassen 4 bis 6 und
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der Sekundarstufe (ungdomstrinnet) Klassen 7 bis 9, bzw. 10.
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Universität
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Fachhochschule
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20
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Lehrlingsausbildung
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19
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Oberstufe
allgemeinbildend
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Oberstufe
berufsbildend
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18
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17
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16
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Gesamtschule
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15
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14
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13
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11
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10
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9
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8
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7
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6
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1 -5
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Vorschulische
Erziehung
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Die übergreifende Zielsetzung von Erziehung und Unterricht in den
Primar- und Sekundarstufen der Gesamtschule ist unveränderte im
Schulgesetz von 1969 festgelegt: "".....in agreement and in
cooperation with the home, to help to give pupils a Christian and moral
upbringing, to develop their mental and physical abilities, and to give
them good general knowledge so that they may become useful and
independent human beings at home and in society. The school shall
promote intellectual freedom and tolerance, and strive to create good
forms of cooperation between teachers and pupils and between school and
home."2
Das zentrale Ziel der nationalen Bildungspolitik ist darüber hinaus
die Integration von Schülern mit unterschiedlicher Leistung. Deshalb
werden im Primar- und Sekundarbereich I die Schulen als Gesamtschulen
geführt. Obwohl es gelegentlich Debatten über dieses Konzept gibt,
wurde bisher daran festgehalten, die Schüler neun Jahre gemeinsam ohne
äußere oder innere Differenzierungsmechanismen zu unterrichten.
Insbesondere wegen der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der
Schülerinnen und Schüler in den heterogenen Klassen wird auf
Leistungserfassung und -bewertung großer Wert gelegt. Die curricularen
Richtlinien schlagen alternative Formen der Leistungsmessung auf allen
Ebenen vor. Ein Schwergewicht soll dabei auf solchen Prüfungsformen
liegen, die geeignet sind, dem Schüler Rückmeldungen zu seinem
Lernprozess zu geben und diesen anzuregen. Es gibt keine formellen
Leistungsmessungen während der ersten sechs Jahre im Primarbereich. Im
Sekundarbereich I erhalten die Schüler in den Pflichtfächern zweimal
im Jahr Zensuren in Form von Noten. Die Leistungsmessung umfasst auch
eine schriftliche Prüfung, die von den Provinzschuldirektoren
organisiert wird.
Zusammenfassende Wertung
Das Deutsche Institut für Pädagogische Forschung (DIPF) bescheinigt
dem norwegischen Schulsystem insgesamt recht gute Noten. Im Internet
fanden wir bei ihm folgende zusammenfassende Bewertung: "Als
Reaktion auf eine lebhafte Diskussion unter verschiedenen
gesellschaftlichen Gruppen hat der Staatsrat Norwegens im Juni 1989 den
Auftrag erteilt, Strukturen und Rahmenbedingungen des Bildungssystems
genauer zu untersuchen. Unter anderem wurde dabei auch die
Bildungslaufbahn der Jugendlichen untersucht, die 1988 16 Jahre alt
waren und die Pflichtschulen verlassen hatten. Dabei ergab sich, dass
95% der 16jährigen sich um die Aufnahme in einem Grundkurs der
weiterführenden Bildung bewarben, 84% wurden akzeptiert und 0,3%
erhielten Lehrlingsverträge. Nach drei Jahren Besuch des
Sekundarbereichs II erhielten 39% der Alterskohorte eine
Abiturqualifikation, während 4% auf dem Wege zu einem beruflichen
Abschluss waren. Diejenigen, die den kaufmännischen und
bürowirtschaftlichen Sekundarbereich beendeten, erwarben berufliche
Fertigkeiten zusammen mit ihrem Abitur (Doppelqualifikation).
Die Ergebnisse dieser Untersuchung bildeten den Hintergrund für eine
intensive bildungspolitische Debatte zur Neuordnung des oberen
Sekundarbereichs. Sie wurde inzwischen in eine tiefgehende Struktur- und
Inhaltsreform umgesetzt und ist zu Beginn des Schuljahres 1994/95
wirksam geworden."
1) Yngve
Nordkvelle: Neue Tendenzen der norwegischen Bildungsreformen, in:
Kreienbaum et al, Bildungslandschaft Europa, Bielefeld 1997
2) Quelle:
CEDEFOP
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