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Programmatisch ging die SPÖ in ihrer Oppositionszeit natürlich über
die im Schulgesetz gefundenen Kompromisse hinaus und verabschiedete 1969
ihr erstes und bisher einziges "offizielles" Schulprogramm.
Dabei fand sie in weiten Teilen der Bevölkerung große Unterstützung.
In dieser Phase gab es mehrere Antriebskräfte für eine erneute
Schulreform: die gesellschaftspolitischen Forderungen der Sozialisten
nach mehr Chancengleichheit, Demokratie und Liberalisierung; die
Auffassungen einer sozialwissenschaftlich orientierten neuen
Reformpädagogik; das Bedürfnis großer Bevölkerungsgruppen nach
Erneuerung der in der Nachkriegszeit erstarrten Verhältnisse und
Lebensformen sowie der Bedarf der Wirtschaft nach mehr und besser
ausgebildeten Arbeitskräften.
Strukturen im Bildungswesen
Die Volksschule
(Grundschule)
umfasst die Grundstufe I (bei Bedarf Vorschulstufe und jedenfalls 1.
und 2. Schulstufe) und die Grundstufe II (3. und 4. Schulstufe). Der
Lehrplan der Volksschule sieht für alle Kinder u.a. folgende Ziele vor:
Über die Vermittlung von Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen)
hinaus soll das Verständnis der Kinder für ihre Umwelt vertieft werden
und ihnen helfen, Toleranz, Mitsprache, Mitverantwortung und Achtung vor
dem Anderen zu erwerben und zu üben.
Schuleingangsbereich
Ab Sept. 99 wird der Schuleingangsbereich in folgenden neuen
Organisationsformen geführt:
1. mit einem getrennten Angebot von Vorschulstufe (bei Bedarf) sowie
1. und 2. Schulstufe oder
2. mit einem gemeinsamen Angebot
(=flexible Schuleingangsphase) von Schulstufen der Grundstufe I
(Vorschulstufe gemeinsam mit 1. Schulstufe oder Vorschulstufe, 1. und 2.
Schulstufe gemeinsam).
Die Schulneulinge haben je nach individuellen Fähigkeiten ein bis
drei Jahre Zeit, um die Lehrplananforderung der Grundstufe I erfolgreich
bewältigen zu können.
Wechsel der Schulstufe
SchülerInnen sind innerhalb der Grundstufe I berechtigt, auch
während des Schuljahres in die nächst höhere oder nächst niedrigere
Schulstufe zu wechseln. Über den Wechsel der Schulstufe entscheidet die
Schulkonferenz aufgrund des Antrages der Erziehungsberechtigten oder
des/der KlassenlehrersIn.
An vielen Wiener Volksschulen werden neue Lern- und Unterrichtsformen
(Offenes Lernen, Freinet-Pädagogik, etc.) angeboten. Diese beinhalten
folgende Ziele: individuelles Lernen, Selbstständigkeit, Verantwortung
übernehmen, Zusammenarbeit, soziale Kompetenz uvm. Im Zusammenhang
damit werden im Rahmen von Schulversuchen neue Beurteilungsformen
erprobt: Verbale Beurteilung, Kommentierte direkte Leistungsvorlage oder
Pensenbuch. Es besteht weiter die Möglichkeit, durch Beschluss des
Klassen- bzw. Schulforums in der 1. und 2. Schulstufe der Ziffernnote
eine verbale Leistungsbeschreibung hinzuzufügen.
Übertritt
In der 4. Schulstufe werden die Eltern über den nach den Interessen
und Leistungen empfehlenswerten weiteren Bildungsweg der SchülerInnen
informiert (=Informationsabend).
Für die Aufnahme an eine Hauptschule ist der erfolgreiche Abschluss
der 4. Schulstufe Voraussetzung. Um in die 1. Klasse einer
allgemeinbildenden höheren Schule ohne Aufnahmeprüfung
aufgenommen werden zu können, hat das Zeugnis der 4. Klasse der
Volksschule in den beiden Gegenständen Deutsch/Lesen und Mathematik
"Sehr gut" oder "Gut" zu enthalten. Bei
"Befriedigend" kann die Volksschule einen Bescheid über die
"AHS-Reife" des Kindes ausstellen.
Über die Aufnahme von SchülerInnen in eine
allgemeinbildende höhere Schule entscheidet der/die Leiter/in der
Schule, über die Aufnahme in eine Hauptschule entscheidet der/die
zuständige Bezirksschulinspektor/in.
Die Hauptschule
Die Hauptschule umfasst vier Schulstufen und hat die Aufgabe, eine
grundlegende Allgemeinbildung zu vermitteln sowie - je nach Interesse,
Begabung und Fähigkeit der SchülerInnen - auf das Berufsleben und den
Übertritt in eine mittlere oder höhere Schule vorzubereiten.
Der Unterricht wird in den Gegenständen Deutsch, Mathematik und
Lebende Fremdsprache (meist Englisch) in Gruppen (Klassen) erteilt, die
nach dem Prinzip der "äußeren Differenzierung"
(Leistungsgruppen) oder nach dem Prinzip der "inneren
Differenzierung" (leistungsheterogener Unterricht) geführt werden
können.
Für Pflichtgegenstände - vorwiegend jedoch für Deutsch, Mathematik
und Lebende Fremdsprache - besteht auch die Möglichkeit, einen
Förderunterricht zu besuchen.
In der 3. und 4. Klasse wird verstärkt auf die Berufs- und
Arbeitswelt vorbereitet (Verbindliche Übung:
"Berufsorientierung", berufspraktische Tage/Wochen,
Lehrausgänge, Exkursionen).
Schulversuch
Mittelschule, Schulverbund
Um das konkurrierende Nebeneinander von HS und AHS-Unterstufe zu
umgehen, kooperieren im Rahmen des Schulversuchs Mittelschule
Die Polytechnische Schule
(PTS)
Im Zuge der Schulreform wird ab dem Schuljahr 1997/98 der
Polytechnische Lehrgang durch die Polytechnische Schule
abgelöst. Alle PTS verfügen über leistungsfähige Computernetzwerke
mit Internetanschluss.
Den Schulen wird ein entsprechender Freiraum gegeben, um im Rahmen
der Lehrplanautonomie das bestmögliche Ausbildungsangebot zu
entwickeln. Zu besseren Vorbereitung für einen Lehrberuf soll in
verschiedenen Berufsfeldern eine Berufsgrundbildung vermittelt werden.
Dadurch steigen auch die beruflichen Chancen der Jugendlichen.
Durch die vorliegende Reform wird allen SchülerInnen in den ersten
beiden Monaten des Schuljahres eine verpflichtende Orientierungsphase
geboten, die dazu dient, die eigenen Fähigkeiten, Interessen und
Neigungen abzuklären. Diese Abklärung ist die erste und wichtigste
Entscheidungsgrundlage für die Berufswahl. Im Anschluss an diese
Orientierungsphase kommt es durch die Reform zu einer Ausweitung der
Interessensdifferenzierung im Sinne einer Berufsvorbildung. Die
SchülerInnen können sich für einen der folgenden beruflichen
Fachbereiche entscheiden:
Technische Berufe
Handels- und Büroberufe
Human-kreative Berufe/Dienstleistungen, Tourismus
Darüber hinaus gibt es in Wien eine langjährig bewährte und enge
Zusammenarbeit zwischen der Polytechnischen Schule und den
Berufsschulen, die im Zuge der Reformumsetzung noch weiter ausgebaut
werden kann.
Die Fachmittelschule
In der Region Wien 23 wird das autonome Projekt
"Fachmittelschule" angeboten. Auf der 9. Schulstufe sieht
dieses neben der Allgemeinbildung eine 1-semestrige Berufsorientierung
vor, im 2. Semester wählen die SchülerInnen Schwerpunktbereiche (z.B.
wirtschaftlich-kaufmännischer Bereich etc.).
Die Fachmittelschule ist ein Angebot für SchülerInnen im Anschluss
an den Schulversuch "Mittelschule".
Ganztägige
Pflichtschulen in Wien
An ganztägig geführten Schulen wird neben dem Unterrichtsteil ein
Betreuungsteil angeboten. Unterrichts- und Betreuungsteil können in
getrennter (Modell "Offene Schule
Die allgemein bildenden
höheren Schulen (AHS)
Die 90 allgemein bildenden höheren Schulen Wiens (66 öffentliche,
24 private) bieten gemäß ihrem Bildungsauftrag eine breite Palette von
verschiedenen Schulformen an, die es dem Interessenten oft schwierig
erscheinen läßt, die richtige Schulwahl zu treffen. In den letzten
Jahren ist der Ansturm auf die 1. Klassen der AHS in Wien aber
ungebrochen.
Aufnahmevoraussetzungen
Als Aufnahmevoraussetzung in die 1. Klasse der Unterstufe gilt
generell der erfolgreiche Abschluss der 4. Klasse Volksschule, wobei in
den Pflichtfächern Deutsch und Mathematik kein "Befriedigend"
aufscheinen darf bzw. die Volksschule die AHS-Reife trotz des Vorliegens
eines "Befriedigends" in einem der genannten Gegenstände
erklären kann. Im Falle einer vorläufigen Nichteignung muss der
Schüler eine Aufnahmeprüfung in Deutsch oder Mathematik, bzw. in
beiden Fächern in der letzten Schulwoche oder an den ersten beiden
Schultagen des neuen Schuljahres ablegen.
Grundsätzlich besteht in den ersten beiden Klassen (5. und 6.
Schulstufe) der Unterstufe Lehrplangleichheit, während mit Beginn der
3. Klasse neben den Differenzierungen Gymnasium (Latein), Realgymnasium
(Geometrisches Zeichnen, Werkerziehung) und Wirtschaftskundliches
Realgymnasium (Chemie, Werkerziehung) auch neue Sonderformen (z.B.
Schulversuch 2. lebende Fremdsprache ab der 3. Klasse im Gymnasium)
auftreten. Die Mehrzahl aller AHS-Standorte führt Englisch als 1.
lebende Fremdsprache ab der 1. Klasse, doch bieten auch einige Schulen
Französisch und eine Schule Russisch an.
Seit jeher war es Aufgabe und Ziel der AHS, den Schülerinnen und
Schülern eine umfassende und vertiefte Allgemeinbildung zu vermitteln
und damit auch eine Voraussetzung für ein Universitätsstudium zu
schaffen.
In der Oberstufe (5.-8. Klasse) gibt es neben den aus der Unterstufe
fortgeführten drei Grundtypen noch das Oberstufenrealgymnasium (ORg),
welches durch eine starke Differenzierung an den Standorten
(Instrumentalmusik, naturwissenschaftlicher Unterricht, Bildnerisches
Gestalten und Werkerziehung oder musikalischer Schwerpunkt)
gekennzeichnet ist.
Mit dem In-Kraft-Treten der neuen Oberstufenreform im Schuljahr
1989/90 wurden die genannten Schwerpunkte weiter betont, jedoch durch
das Angebot des Wahlpflichtfächersystems ab der 6. Klasse entscheidend
neu akzentuiert. Den Schülern wird nun verstärkt die Möglichkeit
geboten, ihren Bildungsweg nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu
gestalten.
Mit der Reform der AHS-Reifeprüfung fand die Oberstufenreform ihren
logischen Abschluss. Dabei wurden alle wesentlichen Elemente der neuen
Oberstufe berücksichtigt; auch bei der Matura wird nunmehr dem
realitätsbezogenen Lernen, dem selbstständigen Arbeiten, dem Erkennen
von Zusammenhängen zwischen den einzelnen Wissensgebieten und den
Fremdsprachenkenntnissen besondere Bedeutung zugemessen. Gleichzeitig
finden auch die individuellen Interessen der Schülerinnen und Schüler
durch eine größere Bandbreite der Matura-Varianten, sowie vor allem
der Wahlmöglichkeit zwischen einer schriftlichen Fachbereichsarbeit und
einer mündlichen Schwerpunktprüfung ihren Ausdruck |