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Neue Schulen braucht das Land!
Das Schulreformkonzept
der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag
Anfang 2003 hat die SPD in Sachsen ein neues Schulstrukturmodell
vorgestellt. Soweit nicht nachfolgend widergegeben, finden Sie weitere
Informationen unter
www.gute-schule.info
Die Lage:
Deutsche Schule
in der Krise
Die deutsche Schule, nicht
nur die sächsische, ist offensichtlich in der Krise. Wenn ein Viertel der
15‑Jährigen nur auf einer elementaren Stufe lesen kann, dann hat die Schule
bei der Erfüllung ihres Bildungsauftrages versagt. Wenn die deutsche Schule
die größte Leistungsstreuung nach der sozialen Herkunft hat, kann von
Chancengerechtigkeit keine Rede sein. Die fatalen Folgen für die betroffenen
jungen Menschen sind offensichtlich. Die sozialen Auswirkungen für eine
Gesellschaft, die auf die aktive Lebensgestaltung des Einzelnen angewiesen
ist und Lebenschancen zunehmend nach Bildungsniveau vergibt, sind
verheerend. Deutscher oder sächsischer Dünkel ist nicht angebracht.
Bildung ist der
Schlüssel zu unserer Zukunft
Die Bildungsfrage liegt
genau im Schnittpunkt guter Wirtschaft‑ und Standortpolitik und der
Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit in der modernen
Informationsgesellschaft. Heute sind 80 Prozent des Produktivitätszuwachses
auf Bildung, Forschung und innovative Organisationsprozesse zurückzuführen.
Daher muss eine auf die eigenen strategischen Vorteile setzende moderne
Standortpolitik insbesondere auf den Faktor Bildung setzen und in ihn
investieren. Gleichzeitig wird Bildung immer wichtiger bei der Zuteilung von
Lebenschancen. Damit ist Bildung kein Thema etwa nur der Bildungs‑ sondern
ebenso der Wirtschafts‑, Arbeitsmarkt- oder Sozialpolitik.
Kosmetik am System löst
Probleme nicht
Die besseren Ergebnisse Bayerns im deutsch landweiten Vergleich machen nur
deutlich, was das was das bisherige System leisten kann, wenn es es
konsequent durchexerziert und materiell gut ausgestattet wird. Mehr als
internationales Mittelmaß ist nicht erreichbar. Die überwiegend
SPD‑regierten Länder wiederum zeigen, dass gute Absichten allein nicht
reichen und vor allem ihre Grenzen in der deutschen Schulkultur finden.
Aber nicht die Ziele de SPD waren falsch, sondern die inkonsequente
Umsetzung. Die Antwort auf PISA ist nicht die Rücknahme bisheriger
Entwicklungen zur Öffnung von Unterricht und Schule, sondern die wirkliche
Reform der deutschen Schule in ihrer Kultur und Struktur.
Wir brauchen einen
Systemwechsel
Deutschland hatte einen
zweiten pädagogischen Exportschlager: die Reformpädagogik. An diese gilt
es anzuknüpfen. Freilich entsprach dieses Schulwesen auch gut den
Anforderungen der damaligen Gesellschaft. Es war eine Schule im Fabrikstil:
eine hierarchisch gegliederte und arbeitsteilig organisierte getaktete
Massenfertigung, welche den Schüler so bearbeitet und formt, dass er
entsprechend seiner vorgesehenen sozialen Einbindung sozialisiert und mit
den dafür nötigen Fertigkeiten ausgestattet wird. Inzwischen haben wir eine
offene und demokratische Gesellschaft, die auf die freie Entwicklung der
Menschen baut. Das deutsche Schulwesen hat zwar inhaltlich viele
Veränderungen und Neuerungen erfahren, sich aber vom Typ her und in seiner
Grundstruktur nicht gewandelt.
Wir brauchen eine neue
Lehr- und Lernkultur
Alle Erkenntnisse
hinsichtlich des Lernprozesses verweisen darauf, dass Lernen ein aktiver und
subjektiver Prozess ist, der nur dann dauerhaft erfolgreich sein kann, wenn
das zu Lernende persönlich bedeutsam ist. Die Schule muss sich somit in
ihrem Bildungsbemühen an Schüler richten, deren Aktivität sie fördert und
ermöglicht. Sie muss dazu an deren Interessen anknüpfen und neue Interessen
wecken. Sie muss die Welt in die Schule holen und sich dieser Welt mit ihren
vielen Fragen und Problemen öffnen. Sie muss sich am individuellen
Lernfortschritt orientieren und praktisch jedem Schüler einen spezifischen
Bildungsweg ermöglichen. Dazu wird ein grundlegender Wandel der
Unterrichtskultur weg von der Dominanz des Frontalunterrichts hin zum
reichen Repertoire offener Unterrichtsformen unumgänglich sein. Eine solche
Lernkultur kann mit der Verteilung junger Menschen auf verschiedene
Schularten nichts anfangen.
Wir brauchen eine neue
Schulkultur
Eine offene Gesellschaft
braucht eine offene Schule, keine Behörde. Schüler können demokratische
Werte nur dann schätzen lernen, wenn sie in einer demokratischen
Alltagskultur entsprechende Erfahrungen machen können. Eine solche Kultur
ist aber auch nötig, um jeden Schüler aktiv in die Gestaltung seines ganz
individuellen Bildungsweges einzubinden. Schule ist ein Teil des
öffentlichen Lebens und muss sich stärker mit diesem vernetzen. Eine solche
Schule kann eine zweite Heimat für Schülerinnen und Schüler sein.
Wir brauchen mehr
Anerkennung für Lehrer
Eine gesellschaftsoffene,
moderne Schule ermöglicht dem Lehrer ein Rollenverständnis als Anreger,
Moderator und Helfer. Mit seiner Hilfe nur können Schüler lernen, ihre
Arbeit selbst zu planen, anlassbezogen zu kommunizieren, Entscheidungen
demokratisch zu fällen und zu akzeptieren, mit Fehlern produktiv umzugehen,
Hilfe zu holen und zu geben. Schüler können in dieser Schule ihre Lehrer als
Menschen erleben, die sie nicht nur in ihrem Lernprozess unterstützen und
fördern, sondern die gleichberechtigt das schulische Leben mitgestalten. Für
die Lehrer wird eine solche Schule zu einem Ort großer Berufs‑ und
Arbeitszufriedenheit, der ihr Engagement nicht länger verschleißt.
Wir brauchen eine
wirklich moderne Schule
Die Schule des 21.
Jahrhunderts muss schülerorientiert und interessant, weltoffen und
problemorientiert, fordernd und fördernd, kommunikativ und sozial
integrierend sein. Der Weg zu einer solchen Schule ist lang und vielfältig.
Diese neue Schule wird lebendig und in ständiger Entwicklung sein, da sie
selbst ein lernendes System ist. Die Einheitsschule wird es nicht mehr
geben.
Kernstück einer
umfassenden Bildungsreform.
Damit geht es weit über das
hinaus, was bisher von der CDU in Sachsen an punktuellen Veränderungen
vorgeschlagen wurde. Es erhebt den Anspruch, Maßstäbe auch für die
deutsch‑landweite Diskussion zu setzen. Wir fühlen uns hierin ermutigt und
bestätigt durch viele Rückmeldungen aus allen Teilen der Gesellschaft und
durch Reformimpulse von verschiedenen Seiten. Eine solche Reform muss als
Ganzes gedacht und mit langem Atem angegangen werden. Unser Konzept ruht auf
vier Säulen. Fehlt nur eine, stürzt das Haus über kurz oder lang ein.Zur
Umsetzung unseres Schulkonzepts werden wir ein neues Schulgesetz für Sachsen
in den Landtag einbringen, welches auch die Fragen der Lehrerbildung und der
staatlichen Finanzierung der Schulen regelt.
Das ist zu tun:
Die vier
Säulen der Schulreform
Säule 1: Klarer Auftrag für die
Schule
Bundesweite
Bildungsstandards
Unser Ziel ist eine Schule,
die jeden jungen Menschen chancengerecht und bestmöglich zu einem selbst
bestimmten Leben in sozialer, kultureller und ökologischer Verantwortung
befähigt. Damit zielt schulische Bildung auf Kompetenzentwicklung und nicht
schlechthin auf Stoffvermittlung. Es geht um die Befähigung zu einem
selbstständigen, erfüllten Leben überhaupt, nicht nur um die Vorbereitung
auf ein künftiges Erwerbsleben. Allgemeine Bildungsziele für die Schulen
dürfen nicht länger der Kleinstaaterei unterliegen, sondern sind als
nationale Kompetenzstandards mit internationaler Orientierung zu setzen.
Worin diese Kompetenzen bestehen, welches minimale Niveau jeder junge Mensch
in der Schulzeit erreichen soll und welche weiteren Niveaustufen wann
erreicht und von der Schule testiert werden können, muss Gegenstand eines
nationalen Diskussionsprozesses sein.
Orientierung am Leben
Die Schule muss in ihrem
Bildungsbemühen auf das Verständnis der Welt ausgerichtet sein und nicht
vordergründig auf die reproduktive Vermittlung bestehender Wissenssysteme.
Um dies sichern zu können, wird die Schule eine innere Reform vollziehen
(müssen), welche zu einer neuen Schul‑, Lern‑ und Leistungskultur führt. um
die Schulen dabei zu unterstützen, werden Kerncurricula auf Grundlage der
Kompetenzstandards Orientierung geben und die Anschlussfähigkeit des
Bildungsganges bei Schulwechsel sichern.
Fördern statt auslesen
Die Qualität einer Schule
wird sich daran messen, wie es ihr gelingt, ihre Schüler zum Erfolg zu
führen. Die Schulen werden auf dieser Grundlage ein Controlling aufbauen und
in Entwicklungsberichten der Schulkonferenz und Öffentlichkeit Rechenschaft
ablegen. Das Pädagogische Engagement der Lehrkräfte wird sich so auf die
Förderung jedes Einzelnen richten. Es wird zugleich aber auch die Ausbildung
von individuellen Stärken und Interessen fördern.
Vergleichbarkeit der
Bildungsergebnisse
Das Ansehen einer Schule
wird davon abhängen, wie sie den Bildungsauftrag unter den konkreten
Bedingungen und mit den konkreten jungen Menschen umsetzt und bestmöglich
erfüllt. Ausweis darüber werden zentrale Kompetenztests und Prüfungen geben,
welche alle zwei Jahre durchgeführt werden. Es geht dabei nicht nur um
absolute Ergebnisse allein sondern um die Feststellung der Entwicklung der
Schüler sowie den Nachweis dessen, was die Schule konkret geleistet hat und
was nicht. Es geht aber auch um Gerechtigkeit: Bildungsergebnisse müssen
deutschlandweit vergleichbar sein und dürfen nicht von Schule zu Schule oder
gar von Lehrer zu Lehrer willkürlich schwanken.
Gesicherte Ausstattung
Zur Erfüllung ihres
Auftrages müssen die Schulen auf die nötigen Ressourcen zugreifen können.
Wir werden die Finanzierung der Schulen gesetzlich regeln und im
Wesentlichen von der Zahl der Schüler abhängig machen. Besondere Bedingungen
führen zu zusätzlichem Anspruch auf Ressourcen (Geld, Stellen). Bildung ist
eine Investition. Der Freistaat steht in der Verantwortung sowohl für die
Einhaltung der Standards als auch für die nötigen Mittel.
Säule 2:
Verantwortung an die Schulen
Neue Entscheidungsträger
Wenn wir eine neue Lehr‑
und Lernkultur erfolgreich an unseren Schulen einführen wollen, dann
brauchen wir hierfür vor allem das Engagement der Lehrer vor Ort. Dieses ist
nur zu haben, wenn Lehrer die Verantwortung für den Bildungsprozess
tatsächlich auch haben, Die Verantwortung haben sie nur, wenn sie auch die
entsprechenden Gestaltungsmittel in die Hand bekommen
Bildung ist nicht nur wichtiger
als der Jäger 90, die Schwebebahn
oder der Ausbau des Autobahnnetzes,
sie ist auch wichtiger als
die gewohnte Veranstaltung Schule.
Hartmut von Hentig: Bildung. ‑ FfM
und fachkompetent
gebrauchen können. Nötig ist aber genauso, dass die unmittelbar und
mittelbar von der Schule Betroffenen, also die Schüler, die Eltern, die
kommunale Öffentlichkeit und der Schulträger, ihre Interessen, Forderungen
und Wünsche in die Schule einbringen können. Wir beenden das Behördendasein
der einzelnen Schulen und geben ihr eine demokratische und effiziente
Verfasstheit: Die Schulkonferenz entscheidet die Grundsätze, z. B. über das
Schulprogramm. Der Schulvorstand trifft in diesem Rahmen die operativen
Entscheidungen und kontrolliert die Schulleitung. Diese führt verantwortlich
die laufenden Geschäfte. Konferenz und Vorstand sind hinsichtlich der
Lehrer, Schüler und Eltern paritätisch zusammengesetzt und durch Vertreter
des Schulträgers erweitert. Im Vorstand sind neben den Interessenvertretern
der Schüler, Eltern und Lehrer auch von der Schulkonferenz ausgewählte
Persönlichkeiten des regionalen öffentlichen Lebens vertreten. Die
Schulaufsicht prüft von außen die Erfüllung der Bildungsziele und Einhaltung
der Standards.
Schüler zum Erfolg
führen
Die Schulen erhalten die
Verantwortung, die ihnen anvertrauten jungen Menschen zum best‑möglichen
Bildungsabschluss zu führen. Dazu schließen die Schule und die Eltern einen
Schulvertrag ab, welche die wechselseitigen Pflichten und Rechte festhält.
Die Schule muss ihr pädagogisches Konzept auf die Schüler ausrichten und hat
dazu die Instrumente in der Hand. Somit wird die Förderung jedes einzelnen
Schülers eine sehr viel größere Rolle spielen, als heute in einer Schule,
die auf die Erfüllung der Lehrpläne in einer Klasse ausgerichtet ist. Die
Eltern werden in diesen Prozess entsprechend ihrer Verantwortung einbezogen.
Stabiles
Lehrer‑Kollegium
Wenn Schulen verantwortlich
ein Schulprogramm umsetzen und über einen längeren Zeitraum die anvertrauten
jungen Menschen optimal fördern und zum bestmöglichen Bildungsabschluss
führen wollen, dann bedürfen sie der personellen Kontinuität. Wir werden den
Schulen, wahrgenommen durch den Schulvorstand ' die Personalhoheit geben. In
seiner Verantwortung wird auch die Sicherung der Professionalität des
Lehrkörpers liegen. Diese wird vor allem durch schulinterne Fortbildung
entsprechend der konkreten Anforderungen des Schulprogramms gesichert.
Drastischer
Bürokratieabbau
Eine eigenverantwortliche
Schule bedarf nicht mehr der vielen Regelungen über ihre Binnenstruktur.
Stattdessen legt sie die Grundsätze ihrer Arbeit in einem von der
Schulkonferenz beschlossenen Schulprogramm nieder, welches eine Vielzahl
bestehender Verordnungen ablöst (Schulordnungen, Wochenstundentafel etc.).
Dafür bedarf es neben der Klarstellung der Bildungsziele (siehe 1 .) einer
drastischen Deregulierung. Freie und kommunale Träger sollen gleichbehandelt
werden, soweit sie der Ableistung der Schulpflicht dienen.
Säule 3: Anpassung der Schulstruktur
Ziel: Bis Klasse
8 gemeinsam lernen
Die Veränderungen der
Schule nach den Punkten 1 und 2 ermöglichen und erfordern einen neuen Blick
auch auf das gegliederte Schulwesen. Weder hat die Verteilung der Schüler
auf verschiedene Schularten ab Klasse 5 die Bildungsgerechtigkeit
verbessert, noch können die Schularten die nötige Vielfalt der Bildungswege
sichern. Die Schulen bilden und fördern junge Menschen mindestens acht Jahre
gemeinsam im gleichen Klassenverband bzw. in relativ konstanten Lerngruppen.
Wir schlagen ein Grundmodell vor, welches nach Klasse 8 Oberschulen
vorsieht, an welchen allgemein bildende Schulabschlüsse erworben werden und
der schulische Teil der Berufsausbildung stattfindet. Oberschulen können
sich dabei spezialisieren.
Strukturwandel auf
behutsamen Wegen
Verwerfungen wie bei der
Einführung des gegliederten Schulsystems 1991 wird es nicht geben, sondern
es wird an das bestehende Schulnetz angeknüpft. Die Grundschulstandorte
bleiben erhalten. in einem ersten Schritt werden wir die weiterführenden
Schulformen öffnen. Jede Mittelschule und jedes Gymnasium kann, allein oder
in Kooperation mit einer anderen Schule, jeden Bildungsabschluss vergeben.
Zugleich erhält jede Schule die Verpflichtung, jeden Schüler auch zum
bestmöglichen, zumindest aber zum Hauptschul‑Abschluss zu führen. Im
Zusammenhang mit den sinkenden Schülerzahlen werden allmählich bestehende
Mittelschulen und Gymnasien in neue Mittelschulen umgewandelt und einzelne
gymnasiale Standorte als Oberschulen weitergeführt.
Verantwortung der
Schulträger stärken
Wir werden die Kompetenzen
der Schulträger stärken, indem wir die Landkreise und kreisfreien Städte als
Gebietsschulträger einsetzen und ihnen die Verantwortung für das Vorhalten
eines wohnortnahen Bildungsangebotes übertragen (Subsidiaritätsprinzip). Im
Rahmen der pro Schüler verfügbaren Ressourcen und entsprechender
Schulprogramme entscheiden die Schulträger über die Größe und räumliche
Unterbringung der Schulen und Schulteile.
Jedem einen guten Start
sichern
Der in Deutschland späte
Schuleintritt lasst lernsensible Phasen ungenutzt oder macht sie vom Besuch
kostenpflichtiger Angebote abhängig. Wir führen deshalb eine kostenfreie
Vorschule ein, die in
Kooperation von Schule und
Kindertagesstätten alle Kinder ab dem 6. Lebensjahr fördert. Perspektivisch
werden wir die Vorschule mit den Klassen 1 und 2 der Grundschule zu einer
integrierten Schuleingangsphase ausgestalten. Diese hat die Aufgabe,
jahrgangsübergreifend die mit Vollendung des 5. Jahres eingeschulten Kinder
in zwei bis vier Jahren zum Eingangsniveau der Klasse 3 zu führen.
Förderschule oder
Integration?
Förderschulen sollen, wo
immer möglich und sinnvoll, als Teil einer allgemein bildenden Schule
geführt werden und zugleich als spezielles Förder‑ und Beratungszentrum in
der Region arbeiten. Förderschulen für Erziehungshilfe und Lernförderschulen
werden als Schulformen schrittweise aufgelöst und stattdessen besondere
Förderund Beratungszentren flüchendeckend an Schulen errichtet. Die
Integration behinderter Kinder und Jugendlicher hat Vorrang, wenn damit eine
gute ganzheitliche Förderung und Entwicklung zu erwarten ist. Für
integrierte Schüler erhält die Schule zusätzliche Mittel.
Säule 4: Ganztagsschulen gehört die
Zukunft
Erster Schritt: Volle
Halbtagsschule
Kinder und Jugendliche
wachsen heute unter anderen sozialen und kulturellen Bedingungen auf als
noch vor zwanzig Jahren. Vielen der Heranwachsenden fehlt am Nachmittag ein
verlässliches soziales Umfeld, welches Raum für Entfaltung, Kontakt und
Sicherheit bietet. Eine Schule, die keine Lehranstalt ist, kann ein Ort
sein, der für Schüler zur zweiten Heimat wird. Heute ist das für einen Teil
der Heranwachsenden
die Straße. Ganztagsschulen
sollen als Angebot überall erreichbar sein, sie sollen aber nicht zu Pflicht
werden. Jede Schule soll feste und verlässliche Öffnungszeiten haben,
innerhalb derer neben dem Unterricht auch die Betreuung gesichert ist. Damit
rhythmisiert und vereinfacht sich nicht nur das Schulleben für die Schüler.
Damit erhalten auch Eltern die nötige Sicherheit. Der Schülertransport kann
effektiver und optimaler gestaltet werden. Schule ist nicht mehr nur
Unterricht. Die Lehrer sind während der Öffnungszeiten an der Schule
präsent, was zu einer teilweisen Neubestimmung der Lehrerarbeit führt. Die
Ressourcenzuweisung an die Schulen vereinfacht sich.
Grundschule und Hort
Die Trennung von Schule und
Hort war ein Fehler und hatte vor allem fiskalische Gründe. Grundschulen und
Horte werden zur Kooperation verpflichtet und wo immer möglich integriert.
Die räumliche Zusammenführung wird gefördert. Perspektivisch muss der Besuch
eines Hortes kostenfrei erfolgen. Die institutionelle Zusammenführung von
Grundschule und Hart zu einer Ganztagsschule wird gefördert.
Vielfältige
Ganztagsangebote
Zum Aufbau eines vielfältigen und interessanten Angebotes über die festen
Öffnungszeiten hinaus erhalten die Schulen finanzielle Mittel in Höhe von
bis zu 15% ihres Personalbudgets. Damit können die Schulen kulturelle,
sportliche, soziale oder sonstige Angebote »einkaufen« oder kompetente Laien
verpflichten. Die Schule öffnet sich so nicht nur ihrem Umfeld, sondern
fördert es zugleich durch kaufkräftige Nachfrage und Bekanntmachung bei den
Schülern. Schulen werden so noch stärker zu soziokulturellen Zentren und
Orten
kommunaler Kommunikation. Sie werden zugleich zu Förderern der Region, deren
Potenzen sie selbst auch im Unterricht nutzen können, z. B. bei der
Berufsfeldorientierung.
Erreichbares Netz von
Ganztagsschulen
Bis zum Jahr 2008 soll ein
auswahlfähiges und für jeden erreichbares Ganztagsschul-Angebot aufgebaut
werden. Dazu erhalten die Schulen zusätzlich zu den Mitteln für
Ganztagsangebote bis zu 15 Prozent mehr Personal. Den Schulen steht es je
noch Nachfrage und Annahme frei, zwischen offenen und gebundenen Formen zu
wählen und zu mischen oder den Ganztagsschulbetrieb nur für einzelne Züge
einzurichten. Da für Deutschland ohne Erfahrungen mit Ganztagsschulen aber
mit den Erfahrungen einer Lernanstaltsschule für gebundene Ganztagsschulen
zunächst mit Akzeptanzproblemen zu rechnen ist, empfehlen wir den Aufbau
eines flächendeckenden Netzes an offenen Ganztagsschulen. Diese sollen an
ein oder zwei Tagen ein gebundenes Angebot entwickeln um die Vorzüge einer
Entzerrung des Lernprozesses erfahrbar zu machen. Die Förderschulen bzw.
Förderschulteile werden in der Regel als Ganztagsschulen in gebundener Form
geführt.
Das neue Schulsystem
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