|
|
Gesamtschule:
einzige Schulform in Schottland
Damit es authentischer
klingt, hier die Information in englischer Sprache: "99% of Scottish
education authority secondary schools are comprehensive schools offering
all types of courses to pupils of all abilities." Das teilt uns das
Eurydice Unit in Edinburgh (1999) mit. Lesen Sie eine kurze Beschreibung
des schottischen Schulsystems, wenn Sie mögen auch eine kritische
Auseinandersetzung mit einem dort neu erprobten Ansatz unter: Raising
Achievement for All!
Gesetzliche Grundlagen
Das schottische Schulwesen hat seine Grundlagen im Wesentlichen
nicht in gesetzlichen Regelungen, sondern in diversen Verordnungen und
Richtlinien und auch Expertisen, die von der Regierung eingeholt und als
Grundlage der pädagogischen Arbeit akzeptiert wurden. Wichtig zu wissen
ist, dass eine Reihe von bildungsgesetzlichen Regelungen im Parlament
des United Kingdom verabschiedet wurden, gleichwohl lediglich in
Schottland Gültigkeit haben.
Die Kollegen in Edinburg weisen zu Recht mit einigem
Stolz darauf hin, dass Bildung in Schottland seit jeher einen hohen
Stellenwert hatte und deren Grundsätze und Werte auf eine lange
positive Tradition zurückblicken. In diesem Wertesystem schließen sich
Leistung und Chancengleichheit nicht aus, vielmehr wird versucht, diese
Ziele in einem buchstäblich egalitären Schulsystem zu verwirklichen.
Das jüngste Bildungsgesetz wurde 1996 verabschiedet
[Education (Scotland) Act]. Dieses regelt u.a. die Einrichtung einer
Prüfungskommission [Scottish Qualifications Authority (SQA)] zur
Standardsicherung.
Grundsätze
Bildung ist unter den
staatlichen Dienstleistungen die bei weitem teuerste und wird von den
Gemeinden (local authorities) organisiert und verantwortet. Der Besuch
der öffentlichen Schulen ist für die Eltern selbstverständlich
kostenlos, dazu gehört auch die Lehr- und Lernmittelfreiheit. Über das
Budget der Schulen entscheidet der Gemeinderat, wobei 80 Prozent des
Budgets von der Einzelschule verwaltet wird.
Die Schulpflicht beginnt - wie
auch in England und Wales - im Alter von 5 Jahren und gilt für die
Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von 16 Jahren.
|
|
Higher Education
Institutions |
Further Education Colleges |
|
|
|
18
|
Secondary Schools |
Further
Education Colleges |
Youth Training |
|
17
|
|
16
|
Secondary Schools |
|
15
|
|
14
|
(Comprehensive) |
|
13
|
|
12
|
Primary Schools |
|
11
|
|
10
|
|
9
|
|
8
|
|
7
|
|
6
|
|
5
|
|
4
|
Nursery Schools and
Classes |
|
3
|
Die Grundschule
Die Grundschule umfasst insgesamt sieben
Jahrgangsstufen mit Schülern im Alter von 5 bis 12 Jahren. Die
beiden ersten Schuljahre sind als Eingangsstufe (Infant Stage)
organisiert. Die spielerische Arbeitsweise der Vorschulen wird hier
fortgesetzt mit dem Ziel, die Grundzüge sozialen Lebens durch eigene
Erfahrungen und Spiele kennen zu lernen. In den Jahren 3 bis 7 stehen
die großen Unterrichtsbereich Sprache, Rechnen und Sachunterricht im
Mittelpunkt. In den beiden 'Oberstufenjahren' 5 bis 7 können auch
bereits Gruppierungen nach besonderen Interessen und Fähigkeiten in
Hinblick auf die weiterführende Schule stattfinden.
Seit dem so genannten Plowden Report (1966),
ist der Tagesablauf nicht mehr an eine starre Stunden- und
Facheinteilung gebunden. Die LehrerInnen können ihren Unterricht
individuell gestalten. Dabei vollzieht sich die Arbeit der Kinder
häufig im Rahmen von Sach- und Interessenkomplexen mit
fächerübergreifenden Themen (sog. topics und project Aktivities)
mit einer Starken Betonung des selbständigen Lernens. Eva Eckert
(Schottlands egalitäres Bildungssystem, in: Kreienbau et al:
Bildungslandschaft Europa, Bielefeld 98) meint beobachtet zu haben, dass
"sehr auf die Schulung der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit
geachtet und "ästhetische" Fächer wie Tanz, Musik, Drama,
Poesie und Bewegung in den Unterricht integriert werden". Seit 1993
wird in allen Grundschulen in den Klassenstufen 6 und 7 eine
Fremdsprache unterrichtet. In einigen Schulen ist die Unterrichtssprache
Gaelisch, in anderen wird Gaelisch als erste Fremdsprache angeboten.
Die Sekundarschulen
Im Anschluss an die Grundschulzeit folgt für die
dann 13-jährigen Kinder die sechsstufige Sekundarschule. Sie steht
allen Absolventen der Primary School offen. Es gibt keine
Eingangsbeschränkungen.
Im 5. und 6. Jahr der Sekundarstufe der Gesamtschule
wird den Schülerinnen und Schülern - dann im Alter von 17 und 18
Jahren u.a. eine ganze Reihe berufsorientierender und -vorbereitender
Kurse angeboten.
Im Übrigen stützt sich das
Curriculum der Sekundarschule auf acht Hauptbereiche: Muttersprache,
moderne Fremdsprache, Mathematik, Naturwissenschaften, Geschichte,
Erdkunde, Musik, Kunst, technische Fächer oder Hauswirtschaft sowie
Sport und Religion. Die ersten beiden Jahre der Sekundarstufe (Senior
1 and 2) sind als Orientierungsstufe konzipiert, in der alle
Schüler in allgemeinbildenden Fächern unterrichtet werden. Die Klassen
sind weitgehend leistungsheterogen (mixed ability grouping), es
gibt jedoch teilweise auch schon fachspezifische Differenzierungen (setting)
hauptsächlich in der Fremdsprache und Mathematik. Durch das breite
Fächerspektrum der Orientierungsstufe soll es den SchülerInnen
ermöglicht werden, ihre individuellen Fähigkeiten zu erproben.
Am Ende des zweiten Jahres wählen die SchülerInnen
ihre Fächer für die kommenden zwei Mittelstufenjahre 3 und 4 aus.
Ihnen steht eine breite Fächerpalette zur Verfügung, dabei findet eine
Differenzierung in Kurse unterschiedlichen Niveaus (je nach dem
angestrebten Abschluss) statt. In diesen Kursen werden die Schülerlnnen
hauptsächlich auf die externen Prüfungen zum Standard-Niveau, Standard
Grade des Scottish Certificate of Education (SCE)
vorbereitet. Schülerinnen und Schüler, die sich stärker auf die oben
genannten berufs- und praxisorientierten Kurse konzentriert haben,
können mit dem National Certificate of the Scoltish Vocational
Education Council (SCOTVEC) abschließen.
Etwa 30 Prozent der Schüler verlassen die
Gesamtschule im Alter von 16 Jahren - also nach 11 Schuljahren und der
Beendigung der Schulpflicht - mit dem Certificate of Education (SCE) at
Standard Grade. Rund 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler
durchlaufen jedoch die Gesamtschule bis zur 13. Klasse und schließen
sie in der Regel erfolgreich ab.
|