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Schule in Spanien

Die aktuelle Bildungsdiskussion in Spanien betrifft zur Zeit

  • die weitere Übertragung von Kompetenzen auf die auch in Bildungsfragen mit unterschiedlichen "Autonomierechten" ausgestatteten Provinzen,

  • die Einführung eines für alle Schulen in Spanien verbindlichen "Minimal-Curriculums" und

  • die Bekämpfung einer nach wie vor zu hohen Quote von Jugendlichen ohne Schulabschluss.

Das seit 1990 um zwei Jahre erweiterte Gesamtschulsystem (Primarstufe 1 - 6, Sekundarstufe 7 - 10) hat sich auch aus Sicht der konservativen Regierung Aznar im Grundsatz bewährt.

 

  1. Zur Zuständigkeit in Bildungsfragen

  2. Die für die Bildungspolitik zentral und direkt zuständige Behörde in Spanien ist das Ministerium für Bildung und Wissenschaft [Ministerio de Educación y Ciencia, MEC]. Es ist die oberste Behörde, der alle Bildungseinrichtungen unterstellt sind, und gleichzeitig Koordinationsstelle für alle öffentlichen und privaten Schulorganisationen. Dabei wurden den Autonomen Gemeinschaften in den letzten Jahren zunehmend mehr Kompetenzen übertragen. Verantwortlich für die Organisation der Grund- und Primarschulen sind traditionell die Provinzen.

  3. Neues Core-Curriculum

  4. Die Bildungsministerin Pilar del Castillo unter Regierungschef José Mariá Aznar hat Ende Dezember 2000 den Entwurf für eine neue Bildungsreform vorgelegt. Erstaunlicherweise betrifft diese Reform ausschließlich Unterrichtsziele und Inhalte, sowie Kriterien der Evaluation, nicht aber die Strukturen.

    In dem vorgelegten Dekret werden der Muttersprache, den Fremdsprachen (mindestens einer für alle verbindlich), den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien sowie den Naturwissenschaften besondere Bedeutung beigemessen. Durch die Vorgabe eines präzis formulierten Lernzielkatalogs und einer verbindlichen Minimalzahl von Stunden in den Stundentafeln soll das Reformvorhaben umgesetzt werden.

  5. Bekämpfung der hohen Drop-out-Quote

  6. Da die Schulpflicht erst 1990 vom 14. auf das 16. Lebensjahr heraufgesetzt wurde, fehlt der Vergleich, um die Quote der Absolventen ohne Schulabschluss heute zu bewerten. Insgesamt sind die Bildungsinvestitionen der letzten 10 Jahre beachtlich. So wurde die Zahl der Lehrer um 73 Tausend Stellen erhöht und damit  über alle Stufen des allgemeinbildenden Schulwesens eine durchschnittliche Schüler-Lehrer-Relation von 1 zu 13 (1990: 1 zu 18,5) erreicht. Durch diese verbesserte Lehrerausstattung und besondere Förderangebote für lernschwächere Schülerinnen und Schüler soll die Drop-Out-Quote verbessert werden.

  7. Einheitliche Strukturen: Gesamtschulsystem erfolgreich

  8. Seit September 1990 regelt ein von Senat und Parlament (seinerzeit in der Mehrheitsverantwortung der PSOE) in Madrid verabschiedetes Bildungsgesetz (Ley de Ordenacion General del Sistema Educativo [LOGSE]) die Strukturen des Bildungssystems. Dieses System hat einen horizontalen Aufbau:

    – Kinder- und Vorschulerziehung [Educación Infantil] für Kinder zwischen 3 – 6 Jahren;

    – Primarerziehung [Educación Primaria], 6 – 12 Jahre;

    – Pflichtsekundarerziehung [Educación Secundaria Obligatoria], 12 – 16 Jahre;

    – freiwillige Sekundarerziehung:

    – Sekundarbereich II [Bachillerato], 16 – 18 Jahre;

    – berufliche Fachbildung Mittleren Grades [Ciclo Formativo de Grado Medio], 16 – 18 Jahre;

  9.  Privatschulen

Zum besseren Verständnis des spanischen Schulwesen ist ein Hinweis auf die Privatschulen notwendig. Ein sehr großer Teil der Bildungseinrichtungen wird dort von privaten Trägern betrieben, und zwar etwa 85 Prozent der Kindergärten, 40 Prozent der Vorschuleinrichtungen, 30 Prozent der Grundschulen und 50 Prozent der Sekundarschulen. Die meisten privaten Schulen arbeiten in den Städten. So besuchen z.B. in Barcelona über 50 Prozent der Schüler eine Privatschule.