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SPD-Landtagsfraktion Brandenburg
Fraktionsklausur 5. - 8. Mai 2000
Beschluss: "Konsequenzen der Ergebnisse der PISA-Studie und der
Empfehlungen des Forums Bildung für die Bildungspolitik".
Die SPD-Landtagsfraktion beauftragt den AK Bildung, in
Zusammenarbeit mit dem Bildungsminister ein bildungspolitisches
Reformkonzept zu erarbeiten, das geeignet ist, die durch die Ergebnisse
der PISA-Studie aufgedeckten Mängel des deutschen Schulsystems zu
beheben. Dabei sollen die Ergebnisse der für Juli erwarteten
PISA-E-Studie (Vergleich der Bundesländer) Berücksichtigung finden. Das
Reformkonzept soll kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen
unterscheiden und Folgekosten für den Landeshaushalt aufzeigen. Das
Reformkonzept soll der Fraktion rechtzeitig zur Beratung in der
Herbstklausur 2002 vorliegen.
Das Reformkonzept soll insbesondere folgende Schwerpunkte setzen:
- Sicherung und Qualifizierung der Bildung von Anfang an, d.h.
- Stärkung des Bildungsauftrags der Kindertagesstätten und
Verbesserung der Kindertagesbetreuung insbesondere durch
Qualifizierung des Personals und Festlegung pädagogischer Standards
- Stärkung und Qualifizierung der Bildung und Erziehung in der
Primarstufe
- rechtzeitiger Ausgleich von Schwierigkeiten bei
Entwicklungsverzögerungen, beim Spracherwerb, beim Lesen, Schreiben,
Rechnen, rechtzeitiges Finden und Fördern von Interessen und
Begabungen
- Intensivierung der Zusammenarbeit von Kitas, Schulen und Elternhaus
- Stärkung von Chancengleichheit, Flexibilität und Durchlässigkeit
des Schulsystems durch Sicherung und Weiterentwicklung der mindestens
6-jährigen gemeinsamen Schulzeit, d.h. Prüfung der Umsetzbarkeit
einer 9-jährigen gemeinsamen Schulzeit sowie Entwicklung und Ausbau
differenzierter Systeme der Begabungsförderung
- Konsequente Gestaltung des Schulwesens auf der Grundlage der
individuellen und differenzierten Förderung der Schülerinnen und
Schüler im Sinne des Forderns und Förderns in allen Schulen des
Landes, in den Grundschulen insbesondere durch die Ausweitung der
flexiblen Eingangsstufe auf perspektivisch alle Grundschulen
- Schrittweise Erhöhung der Zahl der Ganztagsschulen mit dem Ziel der
Regelform mit Schwerpunkten der individuellen Förderung und des
sozialen Lernens
- Deutliche Erweiterung der Gestaltungshoheit, Gestaltungsfreiheit und
Selbstevaluationsmöglichkeiten der einzelnen Schule durch konsequente
Stärkung der Kompetenzen und Übertragung von Zuständigkeiten (d.h.
auch Verfügung über die Personal- und Sachmittel) und Ausschöpfen
und Weiterentwicklung aller Möglichkeiten für die Mitwirkung,
Mitbestimmung und Selbstorganisation der Lernenden/Schüler, der
Eltern, der Lehrkräfte
- Entwicklung und Einrichtung einer kontinuierlich arbeitenden,
politisch unabhängigen Schulevaluations- und
Schulberatungsinstitution auf Landesebene, die in regelmäßigen
Abständen öffentlich über die Entwicklung der Effizienz, Leistung
und Qualität des Bildungswesen berichtet.
- Initiativen gegenüber anderen Bundesländern und der KMK zur
künftigen Einrichtung einer solchen Institution auf Bundesebene und
zur Entwicklung bundesweiter Mindeststandards (Kerncurricula)
- Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs zur gezielten Verbesserung der
Sprach- und Lesekompetenz aller Schülerinnen und Schüler
(insbesondere aber auch von Migrantenkindern), der insbesondere auch
die Kooperation der Schulen mit öffentlichen Bibliotheken bzw. deren
Integration in den Schulunterricht berücksichtigt.
- Zügige Reform der Lehrerbildung in Kooperation mit dem Land Berlin
unter stärkerer Verzahnung von theoretischer und praktischer
Ausbildung, unter Entwicklung einer Pädagogik der individuellen
Förderung, Verstärkung sozialpädagogischer und diagnostischer
Kompetenzen, Integration eigenständiger Bildungsforschung der
Studenten.
- Ausbau und Weiterentwicklung der Methoden und Projekte zur
Vermeidung von Schulverweigerung, Ausbau der Schulsozialarbeit und
Verbesserung der Kooperation von Schule und Jugendhilfe.
Einstimmig beschlossen auf der Klausurtagung in Groß Dölln
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