Das Konzept Gesamtschule

Neben dem traditionellen dreigliedrigen Schulsystem hat sich seit den siebziger Jahren eine weitere Schulform, die Gesamtschule, etabliert. Diese weiterführende Schulform zeichnet sich dadurch aus, dass Schüler hier gemeinsam lernen, egal welchen Schulabschluss sie anstreben. Sowohl Hauptschulabschluss, erweiterter Hauptschulabschluss oder Abitur sind an einer Gesamtschule möglich. Trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es in den verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Konzepte von Gesamtschulen. Dies drückt sich unter anderem schon im Namen aus: Integrierte Gesamtschule (in Rheinland-Pfalz), Gemeinschaftsschule (in Thüringen) oder Stadtteilschule (in Hamburg). Diese Schulform ist in Hamburg aus dem Zusammenschluss von Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen und den Aufbaugymnasien hervorgegangen. Die bestehenden Gesamtschulen wurden 2010 geschlossen.

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Gemeinsam lernen mit Vorteilen für alle

Grundprinzip der Gesamtschule ist, dass Schüler aller Leistungsgruppen gemeinsam lernen. Zwar ist der Lehrstoff gleich, die Schüler bearbeiten jedoch das Thema auf unterschiedlichen Niveaus. Schwächere Schüler werden gezielt und individuell gefördert. Gleichzeitig findet ein Austausch unter den Schülern statt, indem ein Schüler einem anderen etwas erklärt und damit auch sein eigenes Wissen erweitert. Vielfalt und Toleranz stehen in einer Gesamtschule im Vordergrund beim gemeinsamen Lernen.

 

Kompetenzen stärken

Neben der Wissensvermittlung steht auch die Vermittlung von Lernkompetenz und Kompetenzen zur Berufsfindung im Vordergrund. Dazu gehört das Prinzip “Lernen lernen”. Statt einfacher Wissensvermittlung steht die Befähigung zum selbstständigen Wissenserwerb im Vordergrund. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Gesamtschulen bildet die Vorbereitung der Schüler auf den weiteren Ausbildungsweg. Ob berufliche Ausbildung oder Studium, mit zielgerichteten Kooperationen hat die Stadtteilschule in Hamburg viele Optionen. Partner sind beispielsweise die Handelskammer, die Handwerkskammer oder auch der UV Nord.

 

Lehren aus PISA

Das Konzept der Stadtteilschule wurde in Hamburg aufgrund des schlechten Abschneidens beim bundesweiten Vergleich der Schulleistungen entwickelt. Im Stadtstaat ist die Zahl der Hauptschüler mit schlechtem Schulabschluss besonders hoch, auch bei den Abiturnoten liegen Hamburger Schüler auf schlechten Plätzen.

Gerade vor dem drohenden Fachkräftemangel sind innovative Ansätze im Bildungssystem eine Antwort auf die Bildungsmisere. Während das traditionelle dreigliedrige Schulsystem auf eine frühe Differenzierung schon nach der vierten Klasse setzt, steht bei der Gesamtschule die individuelle Entwicklung der Schüler im Vordergrund.

 


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