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Gesamtschule
in Japan ein Vorbild?
In der internationalen Vergleichstudie PISA
haben die Japaner es uns allen gezeigt: Ihre Gesamtschulen erbringen
Spitzenleistungen. In Mathematik erreichten die japanischen Schüler Platz
1, in den Naturwissenschaften Platz 2, und im Lesen erreichten sie unter
den 32 teilnehmenden Nationen den achten Platz.
Das Ergebnis ist um so verblüffender, als
die Bildungsausgaben so niedrig sind wie in kaum einem anderen OECD-Land.
Das geht natürlich nur unter Inkaufnahme von großen Klassen. 40
Schülerinnen und Schüler in einer Klasse sind keine Ausnahme. Liegt das
Geheimnis der hervorragenden Leistungen wie häufig behauptet am Drill
oder am Gruppendruck oder an den Methoden oder an all diesen Faktoren?
Statt einer Antwort hier zunächst einige Tatsachen:
Die
Schulstruktur:
Das japanische Schulsystem entspricht in der Struktur dem
amerikanischen. Es wurde nach dem zweiten Weltkrieg von den USA in Japan
eingeführt:
Nach dem Besuch einer vorschulischen Einrichtung gehen die Kinder sechs
Jahre auf eine Primarschule. Darauf folgen je drei Jahre Junior High
School und Senior High School und schließlich College und/oder
Universität. Die Schulpflicht umfasst Primarschule und Junior High, also
neun Jahre. Allerdings besuchen über 90% der Schüler und Schülerinnen
auch eine Senior High School und über 40% schließen eine Ausbildung an
Universität oder College an. Die Schulen sind in der Regel
Ganztagsschulen. Der Übergang von Junior-High School zu Senior-High
School bzw. zum College und der Universität wird durch
Zulassungsprüfungen geregelt. Wichtig für den Wert eines
Universitätsabschlusses ist die Einrichtung, an der der Abschluss
erworben wurde. Die Mehrzahl der Colleges und Universitäten werden in
kommunaler oder privater Trägerschaft geführt. Die Universitäten mit
dem höchsten Prestige sind die nationalen Universitäten von Tokyo und
Kyoto gefolgt von den besten privaten Universitäten.
Fast zum Bestandteil des Schulsystems sind in den letzten Jahren
private gewinnorientierte Schulen geworden, darunter so genannte
Vorbereitungsschulen, die von den SchülerInnen im Anschluss an den
regulären Unterricht (juku) oder für ein Jahr zwischen High School und
Universität (yobiko) besucht werden, die sich auf Aufnahmeprüfungen an
renomierten Schulen vorzubereiten.
Vorschulische Bildung
Vor Eintritt in die Primarschule haben die Eltern die Möglichkeit,
ihre Kinder entweder in einen Halbtagskindergarten zu schicken oder –
sofern beide Eltern berufstätig sind – in eine ganztägig geöffnete
Kindertagesstätte. Aufgenommen werden Kinder in der Regel im Alter von
drei bis fünf Jahren.
Primarschule (Grundschule)
Das Grundschulcurriculum besteht aus drei Feldern: "Akademische
Wissenschaften", "Moralerziehung" und
"außerplanmäßige Aktivitäten". Zu den "akademischen
Wissenschaften" gehören die Fächer Japanisch, Sozialwissenschaften,
Arithmetik, Naturwissenschaft, Musik, Kunst, Hausarbeit und Gymnastik.
1992 wurde ein neues Fach "seikatsu" (Leben) eingeführt, das
die "Akademische Wissenschaft" und Sozialwissenschaft
(Moralerziehung) integriert. Der Unterricht wird an allen Schulen nach
einem einheitlichen vom Ministerium für Bildung (gakushuu shidoyoryo)
erstellten Lehrplan durchgeführt. Der Klassenlehrer ist Ansprechspartner
für alle Belange aller Fächer, der Schulmahlzeiten und aller in Schule
auftretenden Erziehungsfragen. Die sogenannten "extra curricular
activities" - lehrplanunabhängige Aktivitäten umfassen
Veranstaltungen der Klassengemeinschaft, der Schülervertretung,
verschiedener Clubs, Sportwettbewerbe, Schulexkursionen und Ausflüge,
aber auch Projekte in der Gemeinde. Ein Teil des Unterrichts findet in
Kleingruppen statt.
Junior
Highschools (JHS)
90 Prozent der Junior Highschools in Japan befinden sich in städtischer 6
Prozent in privater Trägerschaft. Anders als in den Grundschulen
unterrichtet jeder Lehrer nur die Fächer, für die er ausgebildet ist. In
öffentlichen Schulen beträgt die Schüler-Lehrer-Relation 16; in
Privatschulen 19,5. Die Ausbildung an einer JHS setzt sich aus den drei
Bereichen des Lernens, der moralischen Erziehung und den
außerlehrplanmäßigen Aktivitäten zusammen, genau wie in der
Grundschule. Japanisch, Gesellschaftskunde, Mathematik, die Fächer der
Naturwissenschaften, Musik, Bildende Kunst, Sport und Hauswirtschaft sind
Pflichtfächer. Fremdsprache ist in der Regel Englisch. Vormittags werden
vier Stunden und nachmittags zwei Stunden von jeweils 50 Minuten Dauer
unterrichtet.
Vergleicht man die Unterrichtsgestaltung in Japan und in Deutschland
– ein gewagtes Unterfangen – so wird immer wieder auf den sehr
lehrerzentrierten Unterricht in Japan verwiesen, als auch auf eine zu
starke Engführung durch das so genannte fragend-entwickelnde
Unterrichtsgespräch, auf Drill, auf Schablonen und Druck. Ob der Druck
allerdings für einen Gymnasialschüler in Deutschland geringer ist, wenn
er fürchten muss, bei Versagen die Schule zu verlassen, soll hier nicht
abschließend beantwortet werden.
Highschools
Es gibt in Japan über 5.000 Highschools, davon rund 4.000 in
öffentlicher Trägerschaft. Seit 1949 wird versucht, die Durchlässigkeit
berufsbildender und allgemeinbildender Ausbildungsgänge zu
gewährleisten. Im Vorkriegssystem gab es eine klare Trennung zwischen den
Einrichtungen der Oberstufe: Die Allgemeinen Bildungsanstalten
orientierten auf den Hochschulzugang, die Berufsschulen waren auf
Industrietechnologien, Landwirtschaft, Handel etc. spezialisiert. Das
Niveau der akademischen Bildung war bei ersteren deutlich höher, und es
gab keine Möglichkeit von letzteren auf höhere Schulen zu wechseln.
Diese Tatsache spiegelt die soziale Spaltung der Gesellschaft wieder. Mit
der Schulreform und der Einführung eines einheitlichen Schulsystems auch
in der Highschool sollten die Ungleichheiten überwunden werden. Im
Übrigen wurde das Schulbezirkssystem eingeführt, nach dem eine Schule
nur Schüler des jeweiligen Bezirks aufnehmen durfte. Dies geschah in der
Absicht, die Verbreitung von Sekundarbildung und Chancengleichheit zu
fördern und gleichzeitig den heftigen Wettbewerb an Traditionsschulen,
die viele Bewerber haben, zu entschärfen, um die großen Unterschiede
zwischen den einzelnen Schulen zu verringern. Tatsächlich jedoch betrogen
viele, indem sie einen "Schein-Wohnsitz" angaben, um in eine
angesehene Schule hineinzukommen. 1999 gingen 96,1% der Schüler, die die
Junior Highschool abgeschlossen hatten, weiter auf eine Highschool, davon
besuchten 73,4% allgemeine Kurse, 8,8% technische, 8,7% kaufmännische,
2,8% landwirtschaftliche, 1,7% Hauswirtschaftsklassen und 0,3%
Fischerei-Klassen.
Universitäten und Hochschulen
In Japan gibt es im Wesentlichen drei Institutionen im Bereich der
höheren Bildung: · Universitäten und Hochschulen, an denen das Studium
- mit Ausnahme sechsjähriger medizinischer Studiengänge - vier Jahre
dauert, Junior Colleges (Studiendauer: zwei Jahre), Technische Hochschulen
(Studiendauer: fünf Jahre). Technische Hochschulen vermitteln Wissen und
Fähigkeiten im Bereich des Ingenieurswesens und der Schifffahrt an Junior
Highschool-Absolventen. Die Zulassung zur Universität, einer Hochschule
oder einem Junior College erfordert grundsätzlich einen
Highschool-Abschluss, aber seit kurzem bietet eine Zulassungsprüfung zur
Feststellung der Eignung einer wachsenden Zahl von Bewerbern eine
Alternative.
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