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Schule in der Schweiz:
Kein Vorbild

Gnadenlos hat die PISA-Studie offengelegt:
Gegliederte Schulsysteme (Schweiz, Österreich und Deutschland) haben im internationalen Bildungswettbewerb keine Chance!

Das Schweizer Schulsystem im Schweiz im internationalen Vergleich

In der PISA-Vergleichsstudie liegen die Jugendlichen aus der Schweiz in den Mathematikleistungen hinter den führenden Nationen Japan und Südkorea, aber auch hinter Neuseeland, Finnland, Australien und Kanada. Im Lesen und in den Naturwissenschaften erreichen gerade mal das Mittelfeld. Schlimmer noch:

Beim Lesen verfügt ein überdurchschnittlich großer Anteil nur über sehr geringe Lesekompetenzen. Wie in Deutschland sind rund 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Ende der obligatorischen Schulzeit nicht in der Lage, einfache Texte vollständig richtig zu verstehen und den Inhalt sinngemäss zu interpretieren.

Sie verfügen über rudimentäre Kompetenzen im Lesen und Verstehen der Unterrichtssprache. Für rund 7 Prozent der Schülerinnen und Schüler ist es sogar kaum möglich, aus einem schriftlichen Text auch nur einfache Informationen zu ermitteln. Sie gehören im Hinblick auf die berufliche und schulische Integration zu einer Risikogruppe, weil sie ernsthafte Probleme haben werden, die Anforderungen einer Berufslehre oder von Weiterbildungsangeboten zu erfüllen. In Japan beispielsweise sind diese Anteile nur gerade halb so groß: rund 10 Prozent verfügen über rudimentäre Lesekompetenzen und knapp 3 Prozent gehören zur eigentlichen Risikogruppe. Der Anteil Jugendlicher, die zur Risikogruppe gehören, liegt in den USA bei 6,4 Prozent, in Italien bei 5,4 Prozent, in Österreich bei 4,4 Prozent, in Frankreich bei 4,2 Prozent und in Schweden bei 3,3 Prozent. In Deutschland ist dieser Anteil mit 9,9 Prozent allerdings noch wesentlich höher als in der Schweiz.

Kein Wunder also, dass nur 16% der jungen Schweizerinnen und Schweizer ein Universitätsstudium beginnen und nur 9% ein solches abschließen. Mit nur 22% Tertiärabschlüssen insgesamt gerät die Schweiz ins internationale Mittelmaß.


Das Schulsystem in der Schweiz

Die Schweiz hat kein einheitliches Schulsystem, vielmehr kennt das kleine Land mit seinen etwa sieben Millionen Einwohnern 26 teils sehr voneinander abweichende Schulorganisationen entsprechend den 26 Kantonen. Die obligatorische Schule dauert neun Jahre und wird von Kindern im Alter von 6/7 bis 15/16 Jahren besucht; die meisten Kantone bieten auch ein zehntes Schuljahr an. Die obligatorische Schule umfasst in allen Kantonen die Primarschule und die Sekundarstufe I.

Die Primarschule

Die Schulpflicht beginnt mit dem vollendeten 6. Altersjahr. In zwanzig Kantonen erstreckt sich die Primarstufe über sechs Jahre, in vier Kantonen über fünf Jahre und in zwei über vier Jahre. Die Primarschule hat in allen Kantonen eine einheitliche Struktur. Der Besuch des Primarstufe und der Sekundarstufe I ist für alle Kinder verpflichtend und unentgeltlich.

Im Schuljahr 1994/95 betrug die Klassenfrequenz in der Primarstufe im Durchschnitt 20 Schülerinnen und Schüler. Ungefähr 80 % der Klassen sind nach Jahrgängen zusammengesetzt. In geringer besiedelten Gebieten gibt es auch Mehrklassenschulen mit Altersunterschieden von zwei bis drei Jahren.

In den meisten Kantonen erfolgt die Beurteilung der schulischen Leistungen durch Noten. Zwei- oder dreimal pro Jahr erhalten die Schülerinnen und Schülern ein Notenzeugnis. Der Notendurchschnitt entscheidet über die Versetzung in die nächste Klasse.

Im Durchschnitt werden in der ersten Primarklasse 3 3/4 Stunden pro Tag und ungefähr 20 Lektionen pro Woche unterrichtet; in der 5. oder 6. Primarklasse sind es insgesamt 5 1/4 Stunden pro Tag und 34 bis 36 Wochenlektionen. Der Unterricht erfolgt am Vor- und Nachmittag je nach Kanton sind der ganze Samstag oder der Samstagnachmittag schulfrei.

Im Allgemeinen gehen die Schülerinnen und Schüler über Mittag nach Hause. Wenn die Schulwege dies nicht zulassen, organisieren die Gemeinden Mittagessen und Betreuung.

Sekundarstufe I

In der Sekundarstufe I wird die Vielfalt der kantonalen Schulsysteme besonders deutlich. In den meisten Kantonen dauert die Sekundarstufe I zurzeit drei Jahre, in den übrigen Kantonen vier oder fünf Jahre. Mit wenigen Ausnahmen ist die Sekundarstufe I in Schultypen oder Abteilungen (je nach Kanton zwei bis vier) mit unterschiedlichen Anforderungen aufgegliedert und wirkt deshalb sehr selektiv. Der Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe I ist unterschiedlich geregelt: In einem Kanton gibt es eine Prüfung, in einem anderen zählt das Zeugnis der letzten Klasse, in anderen wieder entscheiden die Eltern.

Die Schultypen mit Grundansprüchen (Realschule) bereiten auf weniger anspruchsvolle Berufslehren vor. Die Abteilungen mit erweiterten Anforderungen werden von zwei Dritteln der Kinder der Sekundarstufe I besucht und sind in den meisten Kantonen in zwei weitere Typen unterteilt: einen Typ mit gehobenen Ansprüchen (Untergymnasium) und einen Typ mit mittleren Ansprüchen (Sekundarschule oder Progymnasium). Einige Kantone haben sich auf dieser Stufe für einen einzigen Schultyp mit gemischten Anforderungen (cycle d'orientation) entschieden. Im Tessin gibt es auch eine Gesamtschule (scuola media). Die Schultypen mit gehobenen Ansprüchen bereiten im allgemeinen auf längere Studien vor (Maturitätsschule, Kollegium, Gymnasium), jene mit mittleren Anforderungen grundsätzlich entweder auf kürzere Studien auf Sekundarstufe Il oder - was häufiger der Fall ist - auf anspruchsvollere Berufsausbildungen. (Schmitt, Rudolf (Hrsg.): Grundlegende Bildung in und für Europa, Hannover 2001)