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Kiel will das Sitzenbleiben einschränken!

Pläne von Ministerin Erdsiek-Rave zur Abschaffung des Sitzenbleibens lösen in der großen Koalition handfesten Krach aus.  War die SPD in Schleswig-Holstein mit dem Konzept der Gemeinschaftsschule in den Wahlkampf gegangen und hatte damit gepunktet, muss sie jetzt kleinere Schritte gehen. Aber bereits die Ankündigung dieser kleinen Schritte ist auf heftigen Widerstand der CDU getroffen.


7. Dezember2005

Konzept-Wechsel in der Schulpolitik im Norden

Wie das Hamburger Abendblatt heute mitteilt, sollen schwache Schüler in Schleswig-Holstein in der Regel nicht mehr sitzenbleiben, sondern besser gefördert werden. Dieser "Perspektivenwechsel", den Schulministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) gestern in Kiel für das Schuljahr 2007/08 ankündigte, löste einen Hauskrach in der großen Koalition aus. Für die CDU-Fraktion ist das Konzept, das auch die Einführung von Gemeinschaftsschulen vorsieht, "in zentralen Punkten nicht konsensfähig."

Erdsiek-Rave versicherte hingegen, mit ihren Eckpunkten für ein neues Schulgesetz "in weiten Teilen den Koalitionsvertrag eins zu eins umzusetzen". Leitlinie sei, die Auslese in den Schulen durch eine stärkere Förderung der Schüler zu ersetzen. Das beginne bei der Einschulung, bei der derzeit jährlich gut 1300 Kinder (4 Prozent) als nicht schulreif aussortiert werden. Die Ministerin will hier die Notbremse ziehen. "Kein Kind wird mehr vom Schulbesuch zurückgestellt."

Auch auf den weiterführenden Schulen will Erdsiek-Rave das Sitzenbleiben stark einschränken. Klassenwiederholungen und Rückstufungen sollen nur noch zu zwei Zeitpunkten möglich sein: nach Ende 6. Klasse und in den Abschlussjahren von Hauptschule, Realschule und Gymnasium (10. Klasse). Einzige Ausnahme: Die Eltern beantragen eine Klassenwiederholung.

Ebenso umstritten ist die Einführung der Gemeinschaftsschule. Die SPD-Ministerin will auf Antrag der Schulträger auch bestehende Lehranstalten, etwa Haupt- und Realschulen, in Gemeinschaftsschulen umwandeln. Die CDU sieht darin einen Angriff auf das mehrgliedrige Schulwesen und möchte - wenn überhaupt - vorwiegend bestehende Gesamtschulen zu Gemeinschaftsschulen machen. Die  SPD weist darauf hin, dass es jährlich fast 2.000 Schülerinnen und Schüler gebe, deren Eltern ihr Kind in eine Gesamtschule schicken wollten aber keinen Platz bekämen. Das zeigten auch die Anmeldezahlen für das Schuljahr 2004//05 (Anmeldezahlen hier).